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Ökosysteme, Landnutzung & Biodiversität 4
Land ist auch eine Quelle für nichterneuerbare Ressourcen. An der Oberfläche oder in
tieferen Schichten lagern Sande, Gesteine, Erze oder fossile Energieträger. Die End-
lichkeit dieser Ressourcen belegen regelmäßige Medienberichte über lokale Knappheiten
an Sand als Industrierohstoff und Baumaterial. Wenngleich flächenmäßig nachrangig,
führt der Abbau nichterneuerbarer Ressourcen lokal zu erheblichen Umweltbeein-
trächtigungen.
Vor dem Hintergrund der erwarteten zukünftigen gesellschaftlichen Nachfrage nach
unterschiedlichen Funktionen dient Land auch als Investitions- und Spekulationsgut.
Mark Twain wird die Aussage zugeschrieben: „Kaufen Sie Land. Es wird nicht mehr
hergestellt.“ Land und damit nutzbarer Boden ist nicht nur physisch begrenzt. Eine un-
sachgemäße Nutzung (z.B. unzureichende Nährstoffversorgung, fehlende Bodenbe-
deckung), Umweltverschmutzung (z.B. Emissionen der Industrie und des Verkehrs) und
natürliche Prozesse (z.B. Extremwetterereignisse) können zu Degradationsprozessen (z.B.
Erosion durch Wasser und Wind, Versalzung, Akkumulation von Schadstoffen und
Schwermetallen) außerhalb der natürlichen Regenerationsfähigkeit der Böden führen.
Land dient auch als Senke für industrielle Abfälle und Haushaltsmüll. Retentions-
flächen sind eine Maßnahme des Hochwasserschutzes zur kurzfristigen Speicherung
von Wasser und Ablagerung von Sedimenten. Letztlich ist Land auch eine Informa-
tionsgrundlage zur Erforschung der Erd- und Kulturgeschichte. Neue Methoden
(z.B. Fernerkundung, Isotopenanalysen) und globale Datenbänke mit langen Zeit-
reihen erlauben die Rekonstruktion der historischen Landnutzung über Jahrtausende
hinweg. Daraus lassen sich Schlussfolgerungen zu ökosystemaren Zusammenhängen
ableiten. Historische Landnutzungsdaten sind auch eine unverzichtbare Grundlage
der globalen Klimamodellierung.
Eine spezielle Ausprägung der Landnutzung kann gleichzeitig mehrere Funktionen
erfüllen. Man spricht in diesem Fall von Synergien bzw. von Multifunktionalität. So
können beispielsweise die Produktion von erneuerbaren Gütern und Dienstleistungen,
die Speicherung von Kohlenstoff und die Bereitstellung von Retentionsflächen zeit-
gleich erfolgen. Durch Weidehaltung von Milchkühen auf Grünland in Bergregionen
werden Nahrungsmittel erzeugt. Eine Dienstleistung dieser Nutzung ist die auch
touristisch verwertbare Attraktivität der Kulturlandschaft. Die Kohlenstoffgehalte der
Weideflächen liegen in der Regel über jenen einer ackerbaulichen Nutzung. Zudem
können Weideflächen auch als Retentionsflächen bei Hochwässern dienen.
Im Gegensatz zu Synergien liegen bei Nutzungskonflikten Konkurrenzbeziehungen zwi-
schen verschiedenen Funktionen vor. Beispielsweise schließen der Abbau nichterneuer-
barer Ressourcen (z.B. Erze und Kohle) oder die Errichtung von Infrastruktur die Produk-
Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Titel
- Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Autoren
- Erwin Schmid
- Tobias Pröll
- Verlag
- Springer Spektrum
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- ISBN
- 978-3-662-60435-9
- Abmessungen
- 17.3 x 24.6 cm
- Seiten
- 288
- Schlagwörter
- Umweltmanagement, Bioressourcen, Nachhaltigkeit, Sustainability, Universität für Bodenkultur
- Kategorien
- Naturwissenschaften Umwelt und Klima