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4 Ökosysteme, Landnutzung & Biodiversität
tion von erneuerbaren Gütern aus. Im Folgenden werden die Wechselwirkungen zwi-
schen Landnutzung und ausgewählten Phänomenen des globalen Wandels dargestellt.
4.3.3 Landnutzung und globaler Wandel
4.3.3.1 Bevölkerungsentwicklung und Ernährung
Landnutzung und Bevölkerungsentwicklung stehen in einem engen funktionalen Zu-
sammenhang und weisen viele Wechselwirkungen auf. Die Bevölkerung kann – unter
der Annahme eines gleichbleibenden Konsumniveaus je Person – nur wachsen, wenn
mehr Land genutzt wird (Extensivierung) oder die Produktivität je Flächeneinheit erhöht
wird (Intensivierung). Eine Ausdehnung der Landnutzung, sei es für die Produktion er-
neuerbarer Güter und Dienstleistungen oder den Abbau nicht erneuerbarer Ressourcen,
ist möglich, solange bislang ungenutzte Flächenreserven verfügbar sind. Die Möglich-
keiten zur Intensivierung bestehender Landnutzungen hängen von der Verfügbarkeit
an Betriebsmitteln (z.B. Wasser zur Bewässerung, Pestizide, Düngemittel), Technologien
(z.B. Bewässerungsverfahren, Konservierungs- und Lagerungstechnologien) und den
Managementfertigkeiten (z.B. Wissen um den zeitgerechten Einsatz von Düngemitteln)
der Landnutzerinnen und Landnutzer ab. Ein historisch bedeutsames Beispiel der
Intensivierung war die grüne Revolution ab Mitte des 20. Jahrhunderts, vorwiegend
in Ländern Asiens. Sie führte zu beachtlichen Ertragssteigerungen ackerbaulicher
Kulturen durch den Einsatz von ertragreicheren Sorten, Düngemitteln, Pestiziden
und von Bewässerung.
Eine wachsende und wohlhabendere Bevölkerung benötigt nicht nur mehr Güter
und Dienstleistungen, sondern stellt auch konkurrierende Landnutzungsansprüche,
z.B. an ein attraktives Landschaftsbild, den Schutz der Artenvielfalt, sauberes Trink-
wasser oder den Schutz vor Naturgefahren. Diese Ansprüche sind Inhalt gesellschaft-
licher Debatten und politischer Ausverhandlungsprozesse auf lokaler, nationaler und
internationaler Ebene. Eine wachsende Bevölkerung erhöht aber auch das Angebot
an Arbeitskräften und kann die Chancen auf technologische Innovationen steigern,
beides mit unmittelbaren Folgen für die Landnutzung.
Zwei konkurrierende Theorien beschreiben die Zusammenhänge zwischen dem
Bevölkerungswachstum und dem Bedarf an Gütern der Landnutzung, vorrangig an
Nahrungsmitteln. Thomas Malthus, ein englischer Gelehrter des 18. Jahrhunderts,
ging aufgrund der Biologie des Menschen von einem exponentiellen Bevölkerungs-
wachstum aus, wohingegen seiner Beobachtung nach die Nahrungsmittelproduktion
allenfalls linear wuchs, sofern landwirtschaftlich nutzbare Flächenreserven verfügbar
waren. Eine Intensivierung der Landnutzung ist nach Malthus' Theorie nur bedingt
Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Titel
- Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Autoren
- Erwin Schmid
- Tobias Pröll
- Verlag
- Springer Spektrum
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- ISBN
- 978-3-662-60435-9
- Abmessungen
- 17.3 x 24.6 cm
- Seiten
- 288
- Schlagwörter
- Umweltmanagement, Bioressourcen, Nachhaltigkeit, Sustainability, Universität für Bodenkultur
- Kategorien
- Naturwissenschaften Umwelt und Klima