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Ökosysteme, Landnutzung & Biodiversität 4
möglich und würde zur Degradation des Bodens führen. Diese Zusammenhänge hätten
längerfristig Konflikte und Hungersnöte auslösen müssen, wodurch sich die Bevölke-
rungszahl verringern und der Prozess des Wachstums von Neuem beginnen würde.
Ester Boserup, eine dänische Agrarökonomin des 20. Jahrhunderts, entwickelte auf
Grundlage ihrer empirischen Forschungsarbeit eine dazu in Gegensatz stehende Theorie.
Eine wachsende Bevölkerung erhöht den Druck auf Ressourcen, darunter Land zur
Produktion von Nahrungsmitteln. Die sich verschärfende Knappheit stimuliert die
Innovationskraft der Menschen und ihren Willen, die Landnutzung zu intensivieren.
So können mit denselben Flächenressourcen immer mehr Menschen ernährt werden,
was nicht zwangsläufig zur Degradation des Bodens führen muss.
Während Malthus' Theorie zu seiner Zeit plausibel erscheinen musste und auch
heute noch vereinzelte Prozesse auf regionaler Ebene zu erklären vermag, kann sie das
rasante Bevölkerungswachstum seit der industriellen Revolution, speziell im 20. Jahr-
hundert, und die massiv steigende landwirtschaftliche Produktion nicht erklären.
Malthus unterschätzte die Innovationsfähigkeit der Gesellschaft. Seit 1900 wuchs
die Weltbevölkerung von knapp 2 Mrd. auf heute rund 7 Mrd. Menschen. Die
Produktion von Kalorien vervielfachte sich. Real, d.h. inflationsbereinigt, sanken
die Preise für Agrargüter im 20. Jahrhundert pro Jahr durchschnittlich um 1%
(Fuglie und Wang 2012). Während der Anteil der Verbrauchsausgaben für Nahrungs-
mittel österreichischer Konsumentinnen und Konsumenten 1954 noch bei 45% lag,
sank dieser bis 2014 auf 13% (Statistik Austria 2018). Trotzdem hungern heute
weltweit rund 800 Mio. Menschen – nach Jahren sinkender Zahlen wieder mit
steigender Tendenz.
4.3.3.2 Klimawandel
Landnutzung und Klimawandel beeinflussen einander. Landnutzung, besonders die
land- und forstwirtschaftliche Produktion, ist von klimatischen Rahmenbedingungen
abhängig. Der Klimawandel erfordert daher Anpassungsmaßnahmen und eröffnet neue
Chancen. Andererseits ist die Landnutzung auch eine Verursacherin des Klimawandels
mit Potenzialen zur Verringerung klimaschädlicher Aktivitäten.
Die land- und forstwirtschaftliche Produktion ist von Wetter und Klima (Beitrag 4.2)
abhängig. Das regionale Klima erklärt das Vorkommen bestimmter land- und forst-
wirtschaftlicher Pflanzenarten und Tiere in einer Region (z.B. wärmeliebende Wein-
stöcke in Südost- und Ostösterreich) und deren unterschiedliche Ertragspotenziale.
Das Wetter der jeweiligen Saison erklärt zu einem erheblichen Teil die erzielten Erträge.
Die technologischen Möglichkeiten zur Beeinflussung des standörtlichen Mikroklimas
Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Titel
- Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Autoren
- Erwin Schmid
- Tobias Pröll
- Verlag
- Springer Spektrum
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- ISBN
- 978-3-662-60435-9
- Abmessungen
- 17.3 x 24.6 cm
- Seiten
- 288
- Schlagwörter
- Umweltmanagement, Bioressourcen, Nachhaltigkeit, Sustainability, Universität für Bodenkultur
- Kategorien
- Naturwissenschaften Umwelt und Klima