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Ökosysteme, Landnutzung & Biodiversität 4
Fallbeispiel 4.3.1: Indirekte Landnutzungsänderungen
Der Effekt der indirekten Landnutzungsänderungen (indirect land use change, ILUC) beschreibt
regionale und globale Veränderungen, die durch die Vernetzung über internationale Märkte ent-
stehen (Searchinger et al. 2008). Landnutzungsänderungen sind eine Folge veränderter Rahmen-
bedingungen (z.B. steigende Marktpreise, Einführung einer Politik zur Förderung von Agrotreibstoffen).
Durch die höhere Profitabilität ändern Landwirtinnen und Landwirte ihr Produktionsverhalten. Sie
dehnen z.B. die Maisanbauflächen zur Erzeugung von Ethanol aus (direkte Landnutzungsänderung).
Großflächig umgesetzt verringert sich die Erntemenge der zuvor auf diesen Flächen angebauten
Ackerkulturen (z.B. Getreide für die Tierernährung). Dadurch steigen die Preise mit möglichen Folgen
für die Ernährungssicherheit. Die höheren Preise können dazu führen, dass die verdrängte Kultur andern-
orts angebaut wird, etwa auf bisher ungenutzten bewaldeten Flächen oder vormals degradierten
und durch die höhere Profitabilität wieder restaurierten Böden. Auch die Intensivierung der Produktion
auf bestehenden Ackerflächen wäre denkbar (indirekte Landnutzungsänderungen).
Hertel et al. (2010) quantifizieren mit einem agrarökonomischen Modell die Landnutzungsfolgen der
politisch gelenkten Ausdehnung des Maisanbaus zur Produktion von Ethanol in den USA mit + 50,15 Gl
(Gigalitern) von 2001 bis 2015. Dies entspräche einem zusätzlichen Landbedarf von rund 15 Mio. ha.
Die zusätzliche Nachfrage nach Land erhöht die Preise für agrarische Betriebsmittel, Produktions-
faktoren und agrarische Güter. Die Folgen sind eine verringerte Nachfrage nach Nahrungsmitteln
und industriellen Rohstoffen sowie eine Intensivierung der bestehenden Produktion. Die Reststoffe
der Ethanolproduktion können als Futtermittel verwendet werden und ersetzen ackerbauliche Kulturen.
In Summe reduziert sich der zusätzliche Landbedarf durch die neue Politik von 15 Mio. ha auf rund
3 Mio. ha. Berücksichtigt man, dass die zusätzlich benötigte Fläche eine geringere Produktivität auf-
weist als die bestehende – das beste Agrarland wird bereits bewirtschaftet, Flächenreserven sind in
der Regel von geringerer Qualität –, so ergibt sich ein zusätzlicher Landbedarf von rund 4 Mio. ha
mit zahlreichen direkten und indirekten Landnutzungsänderungen.
Indirekte Landnutzungseffekte können nur durch begleitende, vorwiegend politische Maßnahmen
auf der Konsum- und Produktionsseite verringert werden. Auf jeden Fall müssen die Maßnahmen
den globalen Kontext berücksichtigen und alle Landnutzungssektoren umfassen. Eine so umfang-
reiche politische Strategie müsste klare Prioritäten in der Nutzung von Land für die Produktion von
Lebensmitteln, Futtermitteln, biogenen Roh- und Kraftstoffen und anderen Funktionen setzen.
Das Prinzip der indirekten Landnutzungsänderungen ist anerkannt. Die konkrete Höhe der Effekte
ist jedoch schwierig zu ermitteln, einzelfallabhängig und politisch umstritten. Dennoch führen gut
gemeinte Politiken zur Förderung alternativer Kraftstoffe mitunter zu höheren Treibhausgasemissio-
nen als fossile Alternativen. Daher fordert die EU für die Beimischung von Agrotreibstoffen (10%
Beimischungsverpflichtung bis 2020) einen Nachweis über die indirekten Landnutzungsänderungen
(siehe EU COM 2019).
4.3.3.3 Abiotische und biotische Umweltwirkungen
Stickstoff (N) und Phosphor (P) sind zwei Hauptnährstoffe für Pflanzen. Sie kommen
in unterschiedlichen chemischen Formen in den Böden, der Biomasse, der Luft, in
Sedimenten und in Gewässern vor. In natürlichen Ökosystemen werden sowohl P als
auch N durch Gesteinsverwitterung freigesetzt. Während sich zusätzlicher pflanzen-
Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Titel
- Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Autoren
- Erwin Schmid
- Tobias Pröll
- Verlag
- Springer Spektrum
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- ISBN
- 978-3-662-60435-9
- Abmessungen
- 17.3 x 24.6 cm
- Seiten
- 288
- Schlagwörter
- Umweltmanagement, Bioressourcen, Nachhaltigkeit, Sustainability, Universität für Bodenkultur
- Kategorien
- Naturwissenschaften Umwelt und Klima