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4 Ökosysteme, Landnutzung & Biodiversität
4.4 Biodiversitätskrise und Ökosystemdienstleistungen
Harald Meimberg
Institut für Integrative Naturschutzforschung,
Department für Integrative Biologie und Biodiversitätsforschung (DIBB)
meimberg@boku.ac.at
4.4.1 Was versteht man unter Biodiversität?
Die Erde ist der einzige Planet, von dem wir sicher sind, dass er Leben hervorgebracht
hat. Er ist in geeigneter Entfernung zur Sonne, um die Existenz von flüssigem Wasser zu
erlauben, kann eine Atmosphäre halten und zeigt verschiedene andere Eigenschaften, die
wir für die Entwicklung von Leben als notwendig erachten. Auch wenn neuere astrono-
mische Forschungen viele ähnlich geeignete Planten vermuten lassen, ist alles uns bis-
her bekannte Leben von der Erde. Menschen sind ein Teil davon und zusammen mit
allen anderen derzeit existierenden Organismen das Ergebnis einer 2 Mrd. Jahre an-
dauernden Entwicklung. Die Evolution, die biologische Grundlage für diese Ent-
wicklung, führte nach derzeitigem Wissensstand zu einer weiteren Aufspaltung in an
unterschiedliche Bedingungen angepasste Formen. Diese Formen bezeichnen wir in
der Regel als Arten und sehen sie meist als kleinste ökologische Einheit an.
Das Leben selbst war ein wesentlicher Faktor für die Geologie unseres Planeten. Organis-
men veränderten die Erde und ihre Lebensbedingungen eingehend. Damit erscheint der
derzeitige Zustand der Erde als Ergebnis einer Einheit aus geologischer Entwicklung
und biologischer Evolution. Dies ist der Kern der Gaia-Hypothese, die erstmals vor
ca. 50 Jahren von J. Lovelock und L. Margulis vorgeschlagen wurde (vgl. Lovelock 1995;
Schneider und Boston 1991). Die Hypothese wird häufig als philosophisches Konzept
angesehen, welches die Einheit von Natur und Erde unterstreicht. Sie beruht jedoch
auf gut gesicherten naturwissenschaftlichen Befunden: Viele durch Organismen gepräg-
te Prozesse verändern über lange Zeiträume die geologischen Gegebenheiten (z.B.
bei der Humusbildung). Eines der wichtigsten Beispiele in diesem Zusammenhang ist
die Entstehung der Atmosphäre mit ihrem Sauerstoffgehalt. Diese ist heute weitgehend
als Ergebnis biogener Prozesse akzeptiert. Der langsame Übergang von einer reduzieren-
den (sauerstoffarmen) zu einer oxidierenden (sauerstoffreichen) Atmosphäre, zunächst
durch den Stoffwechsel von bakteriellen Mikroorganismen und später durch die Photo-
synthese der Pflanzen, zeigt die Interaktion zwischen Evolution und Geologie besonders
deutlich. Die kontinuierliche Sauerstoffzunahme in der Atmosphäre veränderte nicht
nur deren Zusammensetzung, sondern führte auch zu einer Oxidation oberflächennaher
Mineralien (z.B. zur Entstehung von Eisenerzlagern). Die von Organismen veränderten
Bedingungen auf der Erde machten wiederum neue Anpassungen erforderlich. Orga-
Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Titel
- Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Autoren
- Erwin Schmid
- Tobias Pröll
- Verlag
- Springer Spektrum
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- ISBN
- 978-3-662-60435-9
- Abmessungen
- 17.3 x 24.6 cm
- Seiten
- 288
- Schlagwörter
- Umweltmanagement, Bioressourcen, Nachhaltigkeit, Sustainability, Universität für Bodenkultur
- Kategorien
- Naturwissenschaften Umwelt und Klima