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Ökosysteme, Landnutzung & Biodiversität 4
umwandelt. Hierbei verringert sich nicht nur die für die Organismen verfügbare Fläche,
es nimmt auch die Lebensraumqualität ab. Landbewirtschaftung spielt hierbei eine
wesentliche Rolle. Regionen, die schon lange intensiv landwirtschaftlich genutzt wer-
den, unterscheiden sich stark von der vom Menschen unbeeinflussten Natur. In diesem
Zusammenhang unterscheidet man zwischen natürlicher bzw. primärer Vegetation
(ohne menschlichen Einfluss) und potenzieller Vegetation (Entwicklung unter den
derzeitigen Bedingungen ohne weiteren Einfluss des Menschen).
Durch lang andauernde, extensive Nutzung sind andererseits viele Ökosysteme ent-
standen, die besonders wertvoll für die Biodiversität sind. Dazu zählen z.B. Mager-
rasen, Streuwiesen oder Almwiesen, die durch Nährstoffaustrag aufgrund mensch-
licher Aktivität entstanden sind und heute hohe Naturschutzpriorität haben. Diese
sekundären Lebensräume werden derzeit zunehmend in intensive Produktionsflächen
umgewandelt oder gar nicht mehr durch den Menschen genutzt. In beiden Fällen
kommt es zu einer Reduktion der Biodiversität in diesen Agroökosystemen. Durch
die Bearbeitung des Bodens und durch Düngung sind solche Biotope weitgehend ver-
schwunden. Jene Bereiche der Erde, die nicht im Fokus menschlicher Nutzung stehen,
werden immer weniger (Watson et al. 2016). Selbst Flächen, die nicht direkt genutzt
werden, sind durch Einflüsse aus der Umgebung zunehmend als natürlicher Lebens-
raum ungeeignet. Die Abnahme von Individuen- und Artenzahlen lässt sich also durch
den Flächenverbrauch sowie die Beeinträchtigung und die direkte Entnahme von
Organismen erklären.
4.4.4 Die Biodiversitätskrise
Die Abnahme der Individuenzahlen, auch wenn sie noch nicht zum globalen Aus-
sterben einer Art geführt hat, bedeutet eine wesentliche Veränderung in der Zusammen-
setzung der Artengemeinschaften. Die einzelnen Erdzeitalter sind durch solche Verän-
derungen charakterisiert, sodass sich eine bestimmte Abfolge dieser Zusammensetzung
ergibt. Ein bekanntes Beispiel ist der Übergang von der Kreide zum Tertiär, bei dem
75% der Arten und ca. 40% der Gattungen verschwanden. Als Grund dieses Ereig-
nisses, bei dem auch die Dinosaurier ausstarben, wird ein Meteoriteneinschlag ange-
nommen. Ähnliche Katastrophen scheinen bei jedem Wechsel von einem Erdzeitalter
zu einem anderen eine Rolle zu spielen (Barnosky et al. 2011). Eine starke Änderung
der Artenzahl ist auch gegenwärtig zu erwarten, weshalb 2008 bei der Geological
Society of London die Anerkennung des aktuellen Zeitabschnittes als Beginn eines
neuen Zeitalters (Anthropozän) beantragt wurde. Dass es zu einer solchen Anerkennung
kommt, ist wahrscheinlich, da die derzeitigen menschlichen Aktivitäten eine sehr starke
Veränderung in der Artenzusammensetzung erwarten lassen (Steffen et al. 2011).
Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Titel
- Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Autoren
- Erwin Schmid
- Tobias Pröll
- Verlag
- Springer Spektrum
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- ISBN
- 978-3-662-60435-9
- Abmessungen
- 17.3 x 24.6 cm
- Seiten
- 288
- Schlagwörter
- Umweltmanagement, Bioressourcen, Nachhaltigkeit, Sustainability, Universität für Bodenkultur
- Kategorien
- Naturwissenschaften Umwelt und Klima