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4 Ökosysteme, Landnutzung & Biodiversität
wird wahrscheinlich noch eine Weile erhalten werden, sodass die zukünftige Nutzung
möglich bleibt. Der Wert einer potenziellen Nutzung durch heute lebende oder zu-
künftige Generationen wird auch als Optionswert bezeichnet. Darüber hinaus gibt es
einen Wert, der sich aus der Vermeidung irreversibler Entscheidungen und Auswirkun-
gen ergibt und v.a. in Hinblick auf das zukünftige Wissen (über eine potenzielle,
heute noch nicht bekannte Nutzung) von Bedeutung ist. Dieser sogenannte Quasi-
optionswert ist für den Biodiversitätsschutz von großer Bedeutung, da wir z.B. für die
Herstellung von Medikamenten viele pflanzliche und tierische Substanzen verwenden
bzw. synthetisch auf deren Grundlage herstellen. Viele chemische Substanzen und gene-
tische Prozesse in einer Vielzahl von Organismen sind noch nicht bekannt, können
aber für die Entwicklung neuer Medikamente wichtig sein. Biodiversitätsschutz hat
somit einen hohen Nutzwert für die Menschheit (siehe Beitrag 3.1).
4.4.7 Ökosystemdienstleistungen
Der intrinsische Wert der Biodiversität ist schwer zu bemessen, und ein ökonomisch
begründeter Nutzwert, der sich ausschließlich auf den Gebrauch einer Ressource und
damit auch auf den Verbrauch bezieht, kann für die Beschreibung der Abhängigkeit des
Menschen von der belebten Umwelt irreführend sein. Das Konzept der Ökosystem-
dienstleistung (ÖSD) versucht dies zu verdeutlichen. Es hat sich mittlerweile als Werte-
system zur Beurteilung natürlicher Ressourcen etabliert. Damit ÖSD ihre ökologische
Rolle zum Wohle der Menschheit erfüllen können, ist es in der Regel erforderlich, die
kontinuierliche Existenz der Biodiversität zu sichern. Dies kann als ökonomischer
Faktor berücksichtigt werden.
Das ÖSD-Konzept wurde Anfang der 1980er-Jahre im Zusammenhang mit der
Diskussion, wie Biodiversität und ihr Erhalt bewertet werden könnten, vorgeschlagen.
Eine der frühen Studien (Ehrlich und Mooney 1983) wird als eine der wichtigsten
Arbeiten im Bereich der Naturschutzbiologie angesehen (Bradshaw et al. 2011). Von
„ÖSD“ zu sprechen, wurde ursprünglich als Metapher verstanden, um den Nutzen
der Natur darzustellen und diesen im Zusammenhang mit dem Naturschutz besser
argumentieren zu können. Erst in späteren Arbeiten wurde die tatsächliche monetäre
Bewertung der ÖSD vorgeschlagen. Die Arbeit von Constanza et al. (1997) hatte da-
bei großen Einfluss und wird heute meist mit dem Ursprung des ÖSD-Konzeptes in
Verbindung gebracht. Die Autoren kategorisierten die Leistungen der Biosphäre und
belegten sie mit einem monetären Wert. Dieser betrug damals weltweit insgesamt
33 Billiarden Dollar pro Jahr.
Die wesentliche Argumentation dieser Arbeiten ist, dass der Nutzen der Natur für den
Menschen ökonomisch bewertet werden muss, um die Natur schützen zu können. Dies
Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Titel
- Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Autoren
- Erwin Schmid
- Tobias Pröll
- Verlag
- Springer Spektrum
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- ISBN
- 978-3-662-60435-9
- Abmessungen
- 17.3 x 24.6 cm
- Seiten
- 288
- Schlagwörter
- Umweltmanagement, Bioressourcen, Nachhaltigkeit, Sustainability, Universität für Bodenkultur
- Kategorien
- Naturwissenschaften Umwelt und Klima