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4 Ökosysteme, Landnutzung & Biodiversität
Abbildung 4.4.2: Schematische Darstellung der Kategorien von Ökosystemdienst-
leistungen (nach MA 2005, verändert)
Ein wesentlicher Punkt des ÖSD-Konzeptes ist, dass verschiedene Aspekte der Leis-
tungen durch sozioökonomische Faktoren (z.B. Bildungsgrad, Beruf, Einkommen)
ersetzt werden könnten (MA 2005). Dies veranschaulichen die Vorschläge zum Um-
gang mit dem Anstieg des CO2-Gehaltes in der Atmosphäre. Durch regulierende ÖSD
sorgt die Biosphäre – über den Einbau von Kohlenstoff in Biomasse mittels Photo-
synthese – für einen stabilen bzw. leicht sinkenden CO2-Gehalt in der Atmosphäre.
Das durch Verbrennung fossiler Kohlenstofflagerstätten entstehende CO2 könnte zu-
mindest teilweise in Biomasse gespeichert werden (z.B. durch das Ausweiten von Wald-
flächen). Alternativ dazu könnte durch technische Lösungen CO2 aus der
Atmosphäre abgeschieden und anschließend gelagert werden. Der ökologische
Prozess, der den Kohlenstoffgehalt über Einbau in Biomasse senkt, würde so durch
einen technologischen Prozess ersetzt.
4.4.8 Kritik am Ökosystemdienstleistungsparadigma
Die Annahme, dass ÖSD durch ökonomische und technische Möglichkeiten ersetz-
bar sind, bildet den Kern der Kritik an diesem Konzept. Die Substituierbarkeit sowie
die monetäre Bewertung der ÖSD lässt die ursprüngliche Formulierung des Modells
als Metapher zur Veranschaulichung natürlicher Vorgänge eigentlich nicht zu.
Ökologische Leistungen zu bepreisen, kann nach Silvertown (2015) als moralische
Entscheidung angesehen werden. Wie in dieser Arbeit ausgeführt, sind wir sehr zu-
frieden damit, manchen Dingen oder Leistungen keinen Preis zu geben, sondern sie
als nichtbewertbar zu akzeptieren. Dies trifft beispielsweise auf menschliche Organe
sowie auf andere grundlegende Bedürfnisse des Menschen zu. Solche Faktoren mone-
tär zu bewerten, würde eine ethische Entwertung darstellen, da der monetäre Wert
einer unveräußerlichen Leistung nicht bezifferbar ist.
Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Titel
- Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Autoren
- Erwin Schmid
- Tobias Pröll
- Verlag
- Springer Spektrum
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- ISBN
- 978-3-662-60435-9
- Abmessungen
- 17.3 x 24.6 cm
- Seiten
- 288
- Schlagwörter
- Umweltmanagement, Bioressourcen, Nachhaltigkeit, Sustainability, Universität für Bodenkultur
- Kategorien
- Naturwissenschaften Umwelt und Klima