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Ökosysteme, Landnutzung & Biodiversität 4
und Ressourcenwende im Sinne einer Bioökonomie sowie in Bezug auf Klimaschutz
und Klimawandelanpassung eingeschränkt. So sind z.B. im Verkehr (nationaler
Flugverkehr eingeschlossen) die Treibhausgasemissionen zwischen 1990 und 2017
um 71,8% gestiegen (Umweltbundesamt 2019b). Dies liegt nicht nur daran, dass auf
den Straßen mehr und größere Autos unterwegs sind. Ungünstige Siedlungsstrukturen,
die durch die Trennung von Wohnen, Arbeiten, Erholen, Einkaufen etc. weite Wege
verursachen, tragen ebenso zu mehr Verkehr und Emissionen bei. Gleichzeitig
konnten die Treibhausgasemissionen bei Gebäuden trotz starker Neubautätigkeit
um 35,1% reduziert werden (Umweltbundesamt 2019b).
In den derzeitigen Raumstrukturen sind wesentliche Raumfunktionen wie Wohnen,
Arbeiten, Einkaufen, Bilden, Erholen durch zunehmend größer werdende Distanzen
voneinander getrennt. Dies führt zu mehr Mobilität, aber auch zu einem schwieriger
zu bewältigenden Alltag, in dem Arbeiten, die Betreuung von Kindern oder älteren
Familienangehörigen sowie das Versorgen miteinander vereinbart werden müssen.
Die Lebensqualität sinkt, und öffentliche Investitionen in neue Infrastruktur steigen.
So sind z.B. die öffentlichen Investitionen in die Erschließung für Straßen, Kanal, Wasser
etc. bei Einfamilienhäusern ca. zehnmal so hoch wie bei drei- bis fünfgeschossigen
Mehrfamilienhäusern (Dallhammer 2016). Vielfach kann z.B. in dispersen Raum-
und Siedlungsstrukturen mit geringer Dichte an Bevölkerung und Arbeitsplätzen kein
effizienter öffentlicher Verkehr angeboten werden.
Diese Schlaglichter auf die räumliche Entwicklung, die keinen Anspruch auf Voll-
ständigkeit erheben, zeigen, dass aus einer umfassenden Nachhaltigkeitsperspektive
zurzeit viel Fehlsteuerung stattfindet. Gerade die derzeit drängenden Umweltprobleme
wie Klimawandel, Flächeninanspruchnahme und Biodiversitätsverluste, aber auch
Perspektiven der Energie- und Ressourcenwende können wesentliche Anreize bieten,
die in Abschnitt 4.5.3 dargestellten Planungsprinzipien für eine nachhaltige Raum-
entwicklung umzusetzen.
4.5.3 Planungsprinzipien für eine nachhaltige Raumentwicklung
Die oben skizzierten räumlichen Entwicklungen sind nicht nur in Österreich, son-
dern weltweit sichtbar, wenngleich sie hierzulande zum Teil besonders stark ausge-
prägt sind. Das Problembewusstsein dafür hat sich sowohl in der Fachwelt als auch
in der interessierten Öffentlichkeit bereits seit dem ersten Bericht des Club of Rome
„Die Grenzen des Wachstums“ (Meadows et al. 1972) in den 1970er-Jahren gebildet.
Speziell ab den 1980er- und 1990er-Jahren wurden Leitbilder für eine nachhaltige
Raumplanung entwickelt. Leitbilder werden in der Planung dazu verwendet, Zielvor-
stellungen auszudrücken (Fürst und Scholles 2008). Leitbilder mit starkem Nachhaltig-
keitsbezug weisen viele Gemeinsamkeiten auf, sodass nur relativ wenige Gestaltungs-
Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Titel
- Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Autoren
- Erwin Schmid
- Tobias Pröll
- Verlag
- Springer Spektrum
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- ISBN
- 978-3-662-60435-9
- Abmessungen
- 17.3 x 24.6 cm
- Seiten
- 288
- Schlagwörter
- Umweltmanagement, Bioressourcen, Nachhaltigkeit, Sustainability, Universität für Bodenkultur
- Kategorien
- Naturwissenschaften Umwelt und Klima