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Amazon setzt
in Deutschland
die Standards
im E-Commerce, denen
sich andere Anbieter
nur schwer
entziehen können.
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#2: GROSSE MARKTFÜHRER BEGRÜNEN
Hingegen ist die Vision der konventionellen Anbie-
ter im E-Commerce, alle möglichen und unmöglichen
Kundenbedürfnisse, die gerne auch von den Anbie-
tern selbst erst geweckt
werden, am besten in Echt-
zeit zu befriedigen. Gleich-
zeitig soll die Hemmschwelle
zur Kaufentscheidung so
niedrig wie möglich sein,
was beispielsweise durch
Abo-Modelle oder die Op-
tion zur kostenlosen Rück-
sendung erreicht wird.
Der mit Abstand größte
Anbieter im E-Commerce ist Amazon. Amazons Han-
delsumsatz macht rund 30 Prozent des Onlinehan-
dels in Deutschland aus. Rechnet man den Umsatz
auf Amazon Marketplace hinzu, so liegt der Anteil bei
ungefähr 50 Prozent.4 Amazons Marktmacht besteht
zu großen Teilen aus einem privilegierten Zugang zu
Nutzerdaten, mittels derer Amazon erkennen kann,
welche Produkte und Geschäftsmodelle auf beson-
ders großes Kundeninteresse stoßen. Diese Markt-
macht
und
die
erheblichen
finanziellen
Mittel
werden
unter anderem dazu genutzt, neue Geschäftsfelder
zu erschließen oder auch selbst in den stationären
Handel zu investieren oder eine eigene Lieferinfra-
struktur aufzubauen. So ist Amazon in Deutschland
beispielsweise auch der größte Streaminganbieter.5 Daher setzt Amazon auch in Deutschland die Stan-
dards im E-Commerce, denen sich andere Anbieter
nur schwer entziehen können. Entscheidungen des
Unternehmens sind also maßgeblich für die Frage, ob
Onlineshopping nachhaltig(er) wird – oder nicht.
Beispielhaft wird dies hier in Bezug auf den Versand
erläutert. Zunächst kann man feststellen, dass On-
lineeinkäufe weniger CO2-Emissionen verursachen
als solche im stationären Handel – selbst dann, wenn
Retouren eingerechnet werden (siehe Abbildung oben).
Allerdings sieht diese Bilanz bei Instant Delivery-
Angeboten wie Amazon Prime Now gleich ganz an-
ders aus, da ein Großteil der Vorteile, die sich aus
einer optimierten Routenplanung ergeben, bei sehr
kurzfristigen Lieferzeiten kaum noch zu
realisieren
sind. Weiterhin verursacht der Raumbedarf des
Liefer
verkehrs in Innenstädten zunehmend Probleme.
Darüber hinaus stehen immer wieder die Arbeits-
bedingungen und die Entlohnung in den Versand-
zentren von Amazon und bei den Paketversendern
und Logistikdienstleistern in der Kritik. Um den Ver-
sand nachhaltiger zu machen, könnte Amazon zum
Beispiel eine Art ‹Grünen
Lieferbutton› als Default
Setting einführen, bei dem nicht nur die CO2-Emis-
sionen kompensiert, sondern auch die Routen opti-
miert werden. Des Weiteren sollte das Unternehmen
Strategien zur Reduktion der Retourenquoten ent-
wickeln, da diese nicht nur zu erhöhten CO2-Emissio-
nen, sondern häufig auch zum Downcycling oder zur
Vernichtung von Neuware führen.
CO2-Emissionen
im E-Commerce und
im stationären Handel ///109
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WAS BITS UND BÄUME VERBINDET
Digitalisierung nachhaltig gestalten
- Titel
- WAS BITS UND BÄUME VERBINDET
- Untertitel
- Digitalisierung nachhaltig gestalten
- Autor
- Anja Höfner
- Herausgeber
- Vivian Frick
- Verlag
- oekom verlag
- Ort
- München
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-SA 3.0
- ISBN
- 978-3-96238-149-3
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 152
- Schlagwörter
- Digitalisierung, Entwicklungszusammenarbeit, Politik, Ressourceneffizienz, Nachhaltigkeitskommunikation
- Kategorien
- Informatik
- Technik