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WAS BITS UND BÄUME VERBINDET - Digitalisierung nachhaltig gestalten
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DEN NACHHALTIGEN KONSUM IM E­ COMMERCE MIT POLITISCHER FÖRDERUNG UND WISSENSCHAFTLICHER EXPERTISE VORANBRINGEN Beide Beispiele zeigen, welche Chancen und Risiken es im E-Commerce für einen nachhaltigen Konsum gibt. Neben nachhaltigkeitsorientierten Unterneh- men und bewusst konsumierenden Verbraucher*in- nen sind deswegen insbesondere politische Rahmen- bedingungen zur Steuerung dieser Transformation notwendig. Dazu gehört für alle Bereiche der Digita- lisierung eine Aktualisierung des Kartell- und Wett- bewerbsrechts, um angemessen auf die Risiken durch neue und mit der Digitalisierung einhergehende For- men von Marktmacht zu reagieren. Dies betrifft bei- spielsweise die Möglichkeit, Daten aus unterschied- lichen Geschäftsbereichen zu verschneiden. Es betrifft aber auch die vergleichs- weise einfache Möglichkeit, von einer quasimonopolis- tischen Plattform aus in andere Geschäftsfelder zu expandieren, und natürlich auch die ungleich größe- re Bedeutung von Skalen- und Netzwerkeffekten in der digitalen Ökonomie. Zugleich muss die Arbeits- gesetzgebung angepasst werden, um die in der Platt- formökonomie verbreiteten Formen der (Schein-) Selbstständigkeit besser zu regulieren. Außerdem sollten rechtliche Regelungen entwickelt werden, die die­ Vernichtung­ oder­ das­ Downcycling­ von­ Retouren­ verbieten oder zumindest den Umfang verringern. Weiterhin könnten E-Commerce-Plattformen zu einer Ausweitung der Informationen über Umwelt- und­ Nachhaltigkeitsaspekte­ ihres­ Angebots­ verpflich- tet werden. Dies betrifft auch die Produktpräsentation, denn mit Suchmöglichkeiten und Filterfunktionen wären nachhaltige Alternativen besser auffindbar. Diese­ Informationspflicht­ sollte­ Hand­ in­ Hand­ gehen­ mit strengeren Regeln für die Produkte selbst – von einer Ausweitung der Öko-Design-Richtlinie über höhere gesetzliche Standards in der Tierhaltung bis hin zu verbindlichen menschenrechtlichen Sorgfalts- pflichten­ für­ die­ gesamte­ Wertschöpfungskette.­ Zum­ besseren Wissen gehört auch die Selbstbestimmung, insbesondere angesichts der Menge an Algorithmen, die das Ziel haben, aus Internetnutzer*innen in ers- ter­ Linie­ Käufer*innen­ zu­ machen.­ Derzeit­ traut­ sich­ nur ein Drittel der Bevölkerung zu, Werbeanzeigen im Internet­ sicher­ identifizieren­ zu­ können6 – und dabei handelt es sich hier um die offensichtlichste Form der Verbraucherbeeinflussung. Nicht zuletzt deshalb bleiben spannende Fragen für die zukünftige Forschung offen. Welche neuen Möglichkeiten­ der­ Beeinflussung­ von­ Konsument*in- nen ergeben sich durch die Digitalisierung, und wie können diese Möglichkeiten für die Förderung von nachhaltigen und suffizienten Konsumstilen einge- setzt werden? Wie bewerten Kund*innen die Ansätze zur nachhaltigen Gestaltung des E-Commerce, und welche weiteren Maßnahmen sind denkbar und akzep- tiert? Welche Formen der politischen Steuerung sind sowohl notwendig als auch realistisch umsetzbar? Die hier vorgestellten Strategien bieten praktische Ansatzpunkte und Inspirationen für die nachhaltige Gestaltung des E-Commerce. Das Beispiel Avocado- store zeigt, dass selbst gewinnorientierte Unterneh- men glaubwürdig Verantwortung für minimalisti- schen und reduzierten Konsum übernehmen können, ohne dadurch Kund*innen zu verlieren oder Reputa- tionsrisiken einzugehen. Das Beispiel Amazon zeigt, dass auch die konventionellen Anbieter nachhaltiger werden müssen, da sie rein quantitativ den größten Einfluss­ auf­ das­ Ausmaß­ der­ ökologischen­ und­ sozialen­ Auswirkungen haben. } DIE AUTORINNEN /// Maike Gossen ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung und an der TU Berlin. https://ioew.de /// Dr. Nele Kampffmeyer ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Öko-Institut im Bereich Umweltrecht und Governance. https://oeko.de/ LITERATUR /// 1 HDE (Handelsverband Deutschland). Handel digital: Online-Monitor 2018. https://einzelhandel.de/index.php?option=com_attachments&task=download&id=9449 (2018). /// 2 Gossen, M., & Schrader U. Welche Potenziale die Digitalisierung für ein suffizienzförderndes Marketing bringt. Ökologisches Wirtschaften 33, 8–9 (2018). /// 3 Gossen, M., & Frick V. Brauchst du das wirklich? Wahrnehmung und Wirkung suffizienzfördernder Unternehmenskommunikation. ­ Umweltpsychologie­ 22(2),­ 11–32­ (2018). /// 4 HDE (2018). /// 5 Statista. Marktanteile der VoD-Anbieter in Deutschland. https://de.statista.com/infografik/12214/marktanteile-der-vod-anbieter-in-deutschland/­ (2017). /// 6 Kantar TNS. D 21 Digitalindex 2017/2018. Jährliches­ Lagebild­ zur­ Digitalen­ Gesellschaft­ (2018). ///<quote> Zum besseren Wissen gehört auch die Selbstbestimmung. ///</quote> /// 110 1 1 0 1 1 1 0
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WAS BITS UND BÄUME VERBINDET Digitalisierung nachhaltig gestalten
Titel
WAS BITS UND BÄUME VERBINDET
Untertitel
Digitalisierung nachhaltig gestalten
Autor
Anja Höfner
Herausgeber
Vivian Frick
Verlag
oekom verlag
Ort
München
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-SA 3.0
ISBN
978-3-96238-149-3
Abmessungen
21.0 x 29.7 cm
Seiten
152
Schlagwörter
Digitalisierung, Entwicklungszusammenarbeit, Politik, Ressourceneffizienz, Nachhaltigkeitskommunikation
Kategorien
Informatik
Technik
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