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Was Anfang der 2000er-Jahre mit eBay, Amazon und
Preisvergleichsplattformen für Flüge und Hotels be-
gann, wurde spätestens mit Airbnb und Uber zum
Geschäftsmodell ‹par excellence›: die digitale Platt-
form.
Heute
liefert
Spotify
die
Musik
und
foodora
das
Essen, Taxis und Hotels werden ebenso über Platt-
formen gebucht wie Bestattungen, Haushaltshilfen
oder Rechtsberatungen. In
einigen Branchen wie dem
Tourismus werden bereits
über 40 Prozent des Markt-
volumens über digitale Platt-
formen abgewickelt.1 Gemein
ist diesen Plattformen, dass
sie eine digitale Infra struktur
für die Zusammenführung
unterschied licher Nutzungs-
gruppen bereitstellen und
sich dadurch als Inter mediäre zwischen Anbieter und
Nachfrager schalten.2
Aus sozial-ökologischer Perspektive ist dieser
Prozess der Zentralisierung von Transaktionen auf
einzelnen digitalen Plattformen, kurz ‹Plattformi-
sierung›, kritisch zu sehen. So lässt sich in ‹sozialer
Autor*innen: Santje Kludas, Jonas Pentzien, Clara Wolff & Dominik Piétron
ALLE
MACHT DEN
PLATTFORMEN?
Hinsicht› die Entstehung eines digitalen Prekariats
beobachten, das in zunehmende Abhängigkeit von
einigen wenigen Plattformunternehmen gerät.3 Da
sich Konsument*innen aufgrund der größeren Ange-
botsvielfalt und günstigen Preisen mehr und mehr für
Onlineshops entscheiden, haben traditionelle Anbie-
ter oft keine andere Wahl, als selbst ihre Dienste und
Waren auf Plattformen anzu bieten – und die Platt-
formen dadurch zusätzlich aufzuwerten.4 Hierdurch
wird die Verhandlungsmacht von externen Händlern
und Dienstleistern untergraben.5
Aus ökologischer Perspektive waren anfangs
positive Erwartungen mit der Plattformisierung
verbunden. Gerade die Praxis des über Plattformen
vermittel ten Teilens wurde vielfach als Chance ge-
sehen, Ressourcen effizienter zu nutzen und so zu
einer Reduktion von Treibhauseffekten beizutra-
gen. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass digitale
Plattformen mit ihrer On-Demand-Kultur sowie der
Schaltung persona lisierter Onlinewerbung eher
addi
tiven Konsum als suffiziente Lebensstile för-
dern und den Ressourcenverbrauch durch Verpa-
ckungsmüll und Paketlieferungen sogar zusätzlich
steigern.6, 7
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Aus ökologischer
Perspektive waren
anfangs positive
Erwartungen
an die
Plattformisierung
geknüpft.
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Genossenschaften, Freie Software und die Möglichkeit
einer sozial-ökologischen Plattformisierung
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WAS BITS UND BÄUME VERBINDET
Digitalisierung nachhaltig gestalten
- Titel
- WAS BITS UND BÄUME VERBINDET
- Untertitel
- Digitalisierung nachhaltig gestalten
- Autor
- Anja Höfner
- Herausgeber
- Vivian Frick
- Verlag
- oekom verlag
- Ort
- München
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-SA 3.0
- ISBN
- 978-3-96238-149-3
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 152
- Schlagwörter
- Digitalisierung, Entwicklungszusammenarbeit, Politik, Ressourceneffizienz, Nachhaltigkeitskommunikation
- Kategorien
- Informatik
- Technik