Seite - 128 - in WAS BITS UND BÄUME VERBINDET - Digitalisierung nachhaltig gestalten
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0 führung 2006 bis 2015 mehr als vervierfacht hätten.11
Dies zeigt die Dynamik, die durch eine Plattform
entstehen kann, die von technisch und rechtlich in-
teressierten Engagierten mit oft sehr begrenzten
Mitteln umgesetzt und betrieben wird. Informa-
tionsfreiheit ist ein wichtiges Thema, aber ohne das
Tool FragdenStaat.de, über das mehr als die Hälfte
aller IFG-Anfragen12 gestellt werden, wäre dessen
Umsetzung wohl nicht so erfolgreich geworden.
Die Umweltbewegung kann für ihre Kampagnen-
arbeit in Zukunft sicher noch viel von den Techies
lernen: davon, digitale Tools für ihre Zwecke einzu-
setzen, die über online zu unterzeichnende Petitio-
nen hinausgehen. Davon, ein besseres Verständnis
für Technik und ihre (oft ungewollten) Folgen zu ent-
wickeln. Und davon, bei digitalen Lösungs ansätzen
für Umweltfragen die netzpolitische Dimension mit-
zudenken, wie beispielsweise bei der Nutzung digi-
taler Tools für die Energiewende, wie im Beitrag von
Zimmermann und Hügel beschrieben. Oder beim
Thema Smart City, über welches Sybille Bauriedl in
diesem Band schreibt. Andersherum ist aber auch
den Tech-Aktivist*innen geraten, beim Design von
Software neben Fragen des Datenschutzes auf deren
Energie- und Ressourcenverbrauch zu achten sowie
auf Langlebigkeit und soziale Gerechtigkeit, wie im
Beitrag von Vetter und Guenot skizziert. Es gilt, sich
einen skeptischen Geist zu bewahren und die viel-
leicht manchmal im Vordergrund stehende Tech-
nikbegeisterung und das Early-Adoptertum kritisch
zu hinterfragen. Das allein
reicht nämlich nicht aus, um
die gemeinsamen Ziele zu
erreichen. Was wir brauchen,
sind daten- und energiespar-
same Lösungen, die noch rar
gesät sind.
DIE NÄCHSTEN SCHRITTE
GEMEINSAM GEHEN
Nach dem Kennenlernen
und dem Spinnen gemein-
samer Ideen stellt sich nach
‹Bits & Bäume› die Frage: Wie geht es weiter? Grund-
lage für weitere gemeinsame Schritte ist die Ent-
wicklung einer gemeinsamen Sprache. ‹Bits & Bäume›
hat hier den Anfang gemacht und uns die Möglich-
keit gegeben, Begriffe zu klären und unterschiedli-
che Sprechweisen zu erkennen. Für die Etablierung
eines gemeinsamen Vokabulars brauchen wir weitere Veranstaltungen oder konkrete Kooperations- und
Forschungsprojekte, die von Tandems aus beiden
Szenen getragen werden. So ließen sich die ersten
Schritte, die bei ‹Bits & Bäume› unternommen wur-
den, schnell verstetigen.
Einige Anregungen für solche Kooperationen sind
bereits auf der Konferenz entstanden. Beispielsweise
erarbeiteten die Teilnehmer*innen des Workshops
‹Facebook zerschlagen›, wie wir in unserer alltägli-
chen Arbeit auf die Werkzeuge des Überwachungs-
kapitalismus13 wie Google und Facebook verzichten
können. Dafür brauchen wir aber gut nutzbare Alter-
nativen. Hier liegt die Arbeit nicht nur bei den Te-
chies: Nur in Zusammenarbeit können zum Beispiel
kollaborative Werkzeuge entstehen, die auch für
nicht technische Communities funktionieren. Nur
durch die verstärkte Nutzung durch nicht technische
Communities können bestehende Werkzeuge wie
‹Nextcloud›, ‹Cryptpad› oder ‹Rocket.Chat› den An-
trieb erhalten, noch mehr Zeit in eine nutzer*innen-
freundliche Gestaltung zu investieren. Technologie
ohne Wachstums- und Kapitalzwang entsteht bisher
überwiegend im Rahmen des digitalen Ehrenamts,
das noch um seine Anerkennung ringt. Wenn wir je-
doch gute Werkzeuge und mehr digitale Suffizienz
wollen, ist das eine gesamtgesellschaftliche Aufga-
be, die von der öffentlichen Hand unterstützt werden
sollte, ebenso wie das Erreichen von Nachhaltigkeits-
zielen. Die Förderung von Digitalisierung entspricht
bisher aber vor allem konventioneller Wirtschafts-
förderung. Mit den Erfahrungen aus der Nachhaltig-
keitsbewegung können wir hier gemeinsam Ände-
rungen anstoßen und unterstützende Strukturen für
Technik schaffen, die den Bürger*innen tatsächlich
dienen: Wie bei Fragen der Nachhaltigkeit benöti-
gen wir auch in der Technikentwicklung Anreize, die
zum Beispiel der Privatisie-
rung digitaler Infrastruk-
tur entgegensteuern und
die Konzepte fördern, die
die digitale Sicherheit sowie
den Verbraucher*innen- und
Datenschutz von Anfang an
mitdenken. Die Diskussionen
auf der ‹Bits & Bäume› erwiesen
sich auch für den Prototype Fund, das erste öffent-
liche Förderprogramm für selbstständige Software-
entwickler*innen in Deutschland, als fruchtbar. Sie
entschieden sich dafür, Nachhaltigkeit zum neuen
Schwerpunktthema14 auszurufen und es so in ver-
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Technologie
ohne Wachstums-
und Kapitalzwang
entsteht bisher
überwiegend
im Rahmen des
digitalen Ehrenamts,
das noch um seine
Anerkennung ringt.
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Um zusammen mehr
zu bewegen als allein,
brauchen wir nun
eine Einigung
auf gemeinsame
Strategien.
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WAS BITS UND BÄUME VERBINDET
Digitalisierung nachhaltig gestalten
- Titel
- WAS BITS UND BÄUME VERBINDET
- Untertitel
- Digitalisierung nachhaltig gestalten
- Autor
- Anja Höfner
- Herausgeber
- Vivian Frick
- Verlag
- oekom verlag
- Ort
- München
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-SA 3.0
- ISBN
- 978-3-96238-149-3
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 152
- Schlagwörter
- Digitalisierung, Entwicklungszusammenarbeit, Politik, Ressourceneffizienz, Nachhaltigkeitskommunikation
- Kategorien
- Informatik
- Technik