Seite - 139 - in WAS BITS UND BÄUME VERBINDET - Digitalisierung nachhaltig gestalten
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2. Basis einer gerechten Gesellschaft sind
demokratische Entscheidungen: Die Digi-
talisierung muss in sich demokratischer
gestaltet werden und gleichzeitig demo-
kratische Prozesse unterstützen, statt
diesen entgegenzuwirken. Dafür muss sie
konsequent darauf ausgerichtet werden,
emanzipatorische Potenziale, dezentrale
Teilhabe, offene Innovationen und zivil-
gesellschaftliches Engagement zu fördern.
«Das Konzeptwerk Neue Ökonomie steht für eine neue
Wirtschaft von allen für alle, ökologisch und sozial. Das
heißt: Wir wollen, dass sich Menschen in alle Entschei-
dungen,
die
ihr
Leben
betreffen,
einbringen
können
–
denn
die ökologischen und sozialen Ziele dieser gemeinsamen
Erklärung
sind
nur
umsetzbar,
wenn
wir
eine
umfassende
Demokratisierung vornehmen. Zu einer umfassenden De-
mokratisierung wiederum gehört, dass Demokratie von
der jetzigen, eher verengten Sphäre der institutionellen
Politik ausgeweitet wird auf andere gesellschaftliche Be-
reiche,
zum
Beispiel
auf
die
auch
auf
dieser
Konferenz
viel
genannten:
Technik,
Wirtschaft
und
Innovation.
Wir haben viel diskutiert, wie wir die Digitalisie-
rung gestalten können, wie wir digitale Prozesse und
Werkzeuge so gestalten können, dass sie unseren
demo
kratischen Ansprüchen genügen. Das zeigt uns:
Wir
brauchen einen demokratischen Prozess
darüber,
welche Technik wir wollen und welche Technik wir
brauchen. Wir brauchen eine Vertiefung der Demokra-
tie
im
Bereich
der
Wirtschaft
und
müssten
uns
die
Frage
stellen, welche Art des Wirtschaftens und welche Art
von Unternehmen eigentlich demokratischen Prozessen
dienen oder diesen eher entgegenstehen.
Wenn wir ein Recht auf informationelle Selbstbestim-
mung
umsetzen
wollen,
brauchen
wir
eine
demokratische
Kontrolle über Informationen und über Institutionen, die
diese verarbeiten. Für eine sozial-ökologische Transfor-
mation
und
die
Umsetzung
unserer
Forderungen
brauchen
wir Druck von unten, denn umfassende soziale Verände-
rungen, die dem Menschen dienen, wurden immer von
sozialen Bewegen von unten erkämpft. Wir müssen auch
fähig sein, unsere Vorstellungen gegen die Widerstände
derer durchzusetzen, die von dem jetzigen profitorientier-
ten, kapitalistischen und wachstumsorientierten System
Nutzen haben. Daher lasst uns zusammen
schließen und
starke soziale Bewegungen aufbauen, die für eine lebens- freundliche Technik, die dem Menschen dient und demo-
kratisch
gestaltet
ist,
gemeinsam
kämpfen.»
Nina Treu für das Konzeptwerk Neue Ökonomie e.
V.
DATENSCHUTZ UND KONTROLLE VON MONOPOLEN
3. Datenschutz, Manipulationsfreiheit und
informationelle Selbstbestimmung sollen
als Grundlage von freien, demokratischen,
friedlichen und langfristig souveränen
Gesellschaften national und global vor-
angetrieben werden.
«Wir InformatikerInnen für den Frieden und gesellschaft-
liche Verantwortung (FIfF) tragen unsere inhaltliche
Ausrichtung gleich vollständig im Namen, und wichtiger
Teil unserer bis jetzt 34-jährigen Arbeit war es immer zu
erklären, wie Technik funktioniert, was Technik kann,
und – im Sinne der vorherigen Forderung – auch zu sa-
gen,
was
sie
nicht
kann.
Technik
muss
verstanden
werden
und muss jenseits der Hochglanzbroschüren der Herstel-
ler politisch diskutiert werden können, denn Technik-
einsatz bedeutet immer auch Machtausübung. Unsere
gemeinsamen Forderungen beinhalten daher auch den
Datenschutz. Wir wollen Daten
schutz aber nicht verste-
hen
als
‹ein
bisschen
mehr
Datenschutz
hier,
ein
bisschen
mehr Datenschutz dort›, sondern Datenschutz als harte
Forderung beim Adressieren von Machtunterschieden
und Machtinteressen im digitalen Zeitalter. Dabei sind
die Interessen, für die wir hier eintreten, die Interessen
einer demokratischen Gesellschaft und damit von uns
allen als Menschen – nicht nur die bislang vorherrschen-
den Lobbyinteressen der Datenwirtschaft.
Es geht dabei auch um gesellschaftliche Manipulier-
barkeit – und damit um Fragen, die viel zu groß sind
für die einzelne handelnde Person. Aber sie sind nicht
so groß, als dass wir als Gesellschaft nicht darüber
nachdenken und eine Richtungsentscheidung vorneh-
men können, etwa gegen bestimmte Geschäftsmodelle
und
für
eine
lebenswerte
Welt
für
alle.
Genau
an
diesem
Punkt ist Datenschutz die Grundlage für eine demokra-
tische, friedliche und nachhaltige Gesellschaft. Konse-
quenter Datenschutz bedeutet also, Mensch und Gesell-
schaft stehen im Mittelpunkt, und die Techniknutzung
muss sich daran ausrichten – nicht umgekehrt.»
Rainer Rehak für das Forum InformatikerInnen
für Frieden und
gesellschaftliche Verantwortung e.
V.
(FIfF)
DEMOKRATIE
WAS BITS UND BÄUME VERBINDET
Digitalisierung nachhaltig gestalten
- Titel
- WAS BITS UND BÄUME VERBINDET
- Untertitel
- Digitalisierung nachhaltig gestalten
- Autor
- Anja Höfner
- Herausgeber
- Vivian Frick
- Verlag
- oekom verlag
- Ort
- München
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-SA 3.0
- ISBN
- 978-3-96238-149-3
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 152
- Schlagwörter
- Digitalisierung, Entwicklungszusammenarbeit, Politik, Ressourceneffizienz, Nachhaltigkeitskommunikation
- Kategorien
- Informatik
- Technik