Seite - 140 - in WAS BITS UND BÄUME VERBINDET - Digitalisierung nachhaltig gestalten
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0 4. Es müssen Rahmenbedingungen zur Kontrolle
digi
taler Monopole geschaffen werden,
damit sich im Norden und Globalen Süden
eine eigene, selbst bestimmte digitale
Wirtschaft entwickeln kann. Bestehende
Monopole von Betreiber*innen kommerzi-
eller Plattformen müssen gebrochen wer-
den, indem beispielsweise eine definierte
Schnittstelle zum Austausch zwischen
Social-Media-Diensten verpflichtend ein-
geführt wird.
«Das 20. Jahrhundert war das Jahrhundert des Öls.
Wird das 21. Jahrhundert das Jahrhundert der Daten?
Als ressourcenleichteres Wirtschaftsmodell kann das
Chancen bergen. Aber mit Blick auf Machtkonzentra-
tion, Finanzakkumulation und die Konzentration von
Informationen droht es, weniger nachhaltig zu werden.
Anstatt uns also die Frage zu stellen, ob Daten das Öl
des 21.
Jahrhunderts sind, sollten wir daran arbeiten,
dass
es
genau
dazu
nicht
kommt!
Ölkonzerne
waren
die
mächtigsten Wirtschaftsakteure des 20.
Jahrhunderts
und die Gewinner der wirtschaftlichen Globalisierung.
Interessant ist nun: Ölkonzerne sind aus den Top Ten
der weltgrößten Unternehmen verschwunden. Statt-
dessen sind sechs der zehn weltgrößten Unternehmen
nun IT- und Softwarekonzerne. Sie treiben die Kapital-
akkumulation voran, die unseren Planeten zerstört, sie
bereichern sich an den privaten Daten von Milliarden
Nutzer*innen und hemmen den Umbau zu einer demo-
kratischeren und nachhaltigeren Wirtschaft.
Wir fordern, Rahmenbedingungen zur Kontrolle di-
gitaler Monopole zu schaffen, damit sich im Globalen
Norden und Süden eine eigene, selbstbestimmte Wirt-
schaft entwickeln kann. Bestehende Machtkonzentra-
tionen bei kommerziellen Plattformen müssen gebro-
chen werden – unter anderem indem eine Schnittstelle
zum Austausch zwischen Social-Media-Diensten ver-
pflichtend
eingeführt
wird.
Wir
sagen
klar:
Rockefeller
reloaded! Lasst uns die Zerschlagung von antidemo-
kratischen Monopolen, wie sie vor 100
Jahren beim
weltgrößten Ölimperium gelungen ist, heute wieder-
holen und zugleich Regeln einführen, damit die digitale
Ökonomie tatsächlich eine demokratische Ökonomie
wird.»
Tilman Santarius für
die
Technische
Universität
Berlin 5. Politische Regulierung muss darauf abzielen,
auch Informationen und Bildungsangebote
zu Technik und Wirkungsweisen als einen
Teil des öffentlichen Gemeinguts zu
begreifen, sie müssen elementarer Be-
standteil des öffent lichen Wissens sein.
Ein kritischer und emanzipatorischer Um-
gang mit digitaler Technik soll Teil von
digitaler Bildung sein, dazu gehört auch
der kompetente Umgang mit Falschinforma-
tionen und Hassreden in digitalen Medien.
«Der BUND als Umweltverband sieht natürlich Digi-
talisierung als möglichen Enabler für all die Wenden,
die uns bevorstehen, und damit für die Frage: Wie
wollen wir Gesellschaft verändern? Wir haben die Res-
sourcenwende vor uns, die Verkehrswende, die Energie-
wende etc. Aber wie funktioniert das? Nur dann, wenn
wir die Gesellschaft mitnehmen: Da wird das Thema
Bildung eine entscheidende Rolle spielen! Wir brauchen
politische Regulierung, die darauf zielt, dass wir Infor-
mationen zu Technik und deren Wirkungsweisen auch
transparent machen und ins öffentliche Gemeingut
integrieren. Das heißt, wir müssen das Wissen hinter
Technologien weitergeben, sodass wir uns auch selbst
mit
ihnen
auseinandersetzen
und
sie
reparieren
können,
gegebenenfalls auch um Ressourcen zu sparen. Darü-
ber hinaus brauchen wir natürlich einen kritischen und
emanzipatorischen Umgang mit diesen Technologien,
mit der digitalen Technik – und die muss ein wesent-
licher Bestandteil digitaler Bildung sein, damit wir da-
rüber hinaus einen kompetenten Umgang mit Falschin-
formationen und Hassreden im Internet hinbekommen,
gegen den Populismus und für mehr Fakten.»
Rolf Buschmann für den Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland e.
V. (BUND)
ENTWICKLUNGS- UND
HANDELS POLITISCHE ASPEKTE
6. Länder des Globalen Südens müssen die
Möglichkeit haben, eine eigene auf die
lokalen und nationalen Bedürfnisse aus-
gerichtete Digitalisierung zu entwickeln.
Alle Gesellschaften sollen gleichen An-
BILDUNG
WAS BITS UND BÄUME VERBINDET
Digitalisierung nachhaltig gestalten
- Titel
- WAS BITS UND BÄUME VERBINDET
- Untertitel
- Digitalisierung nachhaltig gestalten
- Autor
- Anja Höfner
- Herausgeber
- Vivian Frick
- Verlag
- oekom verlag
- Ort
- München
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-SA 3.0
- ISBN
- 978-3-96238-149-3
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 152
- Schlagwörter
- Digitalisierung, Entwicklungszusammenarbeit, Politik, Ressourceneffizienz, Nachhaltigkeitskommunikation
- Kategorien
- Informatik
- Technik