Seite - 147 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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dem Jahre 1850 die Arbeiten von Fischer-Ooster, II. und A. Schlagint-
weit, Sendtner lebhafte Anregung gegeben. In Oesterreicli griff wieder
A. V. Kerner diese Studien auf und lieferte geradezu mustergiltige Beiträge
in seinen „Studien über die obere Grenze der Ilolzpflanzen in den ()ster-
reichisehen Alpen" (Oesterr. Revue, 1864, 1865). Seine auf zahlreichen Hr.hen-
messungen fussenden Ausführungen sind, wie jene Sendtners, die vollkom-
mensten, welche bisher über diesen Gegenstand aus unseren Alpen veröffent-
licht wurden; sie sind es auch deswegen, weil Kerner sich nicht allein mit
der Constatierung der Höhengrenzen begnügte, sondern auch die Gründe zu
ermitteln suchte, warum die Rothbuche, Fichte, Zirbe sich so verschieden in
Bezug auf ihren verticalen Anstieg verhalten.
F. Simony gab im Jahre 1870 einige Daten über die oberste Ge-
treide- und Baumgrenze in den Oetzthaler Alpen (ZBG. 1870). Ausser ihm
scheint sich aber nur noch G. v. Beck in der „Flora von Hernstein" und
„Flora von Niederösterreich" mit dem Studium der oberen Höhengrenzen der
Vegetation in den Alpen beschäftigt zu haben. Letzterer lieferte ausführliche
Daten über die oberen Höhengrenzen der Gewächse des Schneebcrg- und
Raxalpengebietes und eingehende Studien über den Einfluss localer Winde auf
dieselben. F. Krasan publicierte endlich noch wertvolle Studien „lieber die
Bedeutung der verticalen Zonen der Pflanzen für die Kenntnis von den allmäh-
lichen Niveauveränderungen der Erdoberfläche" (Englcrs Jahrb. IV, 1883).
Für die Karpathen lieferten derartige Studien: B. Kotula, Vertheilung
der Gefässpflanzen in der Tatra (Krak. Akad. 1891); *0. Drude, Vegetations-
regionen der nördlichen Centralkarpathen (;Peterm. Mitth. 1894) und in aus-
führlichster Weise zugleich mit einer Pflanzengeographie des Gebietes *F.
Pax, Ueber die Gliederung der Karpathenflora (Schles. Ges., Breslau 1895);
Grundzüge der PflanzenVerbreitung in den Karpathen (Leipzig 1898).
Man kannte den Einfluss der Lufttemperatur auf das Pflanzenleben und
suchte auch diesen näher zu ergründen. Insbesondere waren es die periodisch
wiederkehrenden Entwicklungsphasen, die sogenannten phäuologischen Er-
scheinungen des Pflanzenlebens, die man mit vollem Rechte in ursächlichen
Zusammenhang mit der Temperatur brachte und näher zu erforschen begann.
K. Fritsch sen. widmete dem Eintreten dieser Phasen seine vollste Aufmerk-
samkeit und wurde der Begründer der „Phänologie" in Oesterreich, für die
er durch zahlreiche Arbeiten Propaganda machte (SAW. und DAW.,'zBG. bis
1873). Er gerieth jedoch in dem Bestreben, den Wärmecoefficienten oder
die Wärmeconstanten festzulegen, auf Irrwege, da er die Summe der beob-
achteten Tagestemperaturen im Schatten während eines bis zur Erreichung
einer bestimmten Entwicklungsphase einer Pflanze dienenden Zeitraumes als
das Mass der Wärme betrachtete, welches die Pflanze überhaupt in den Stand
setze, diesen Entwicklungszustand zu erreichen.
Leider wurden die phänologischen Beobachtungen, welche durch die
Feststellung des Datums des jährlichen Eintrittes gewisser Entwicklungs-
phasen der Pflanzen wertvolle Vergleichungen zulassen, wenig gepflegt. Aus
der phänologischen Literatur seien erwähnt: A. Tomaschek, Phänologische
Beobachtungen in Cilli (GPr. 1855); Vegetationsepocheu um Lemberg (ZBG.
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Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Titel
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Untertitel
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Autor
- Alfred Hölder
- Herausgeber
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 14.3 x 24.0 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Naturwissenschaften Biologie