Seite - 166 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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1G(3 A. Zniill.nicUiicr.
Tod am 30. März 1895. Voss gehört zu den kenntnisreichsten Mykologen
Oesterreichs. Schon in Wien beschäftigte er sich näher mit den Pilzen; an-
geregt durch die neueren Arbeiten De Barys, Schroeters, Fuckels u. A.,
durch welche in die Pilzkunde neue Richtungen eingeführt wurden, lenkte
Voss zunächst seine Aufmerksamkeit auf die Brand- und Rostpilze der Um-
gebung Wiens, beobachtete diese in der Natur und sammelte auf zahlreichen
Excursionen ein reiches Material, das im Vereine mit anderen Aufsammlungen
ihm als Grundlage zu einer Zusammenstellung der Brand-, Rost- und Mehl-
thaupilze der Umgebung Wiens, welche in den ZBG. (1877) erschien, diente.
Nach Kraiu versetzt, reifte in ihm der Plan, zunächst durch Sammeltouren
ein reiches Material aufzubringen und nach Bearbeitung desselben an die
Ausarbeitung einer „Mycologia Caruiolica'" zu schreiten. Voss führte beide
Theile des Programmes durch. Die Durcharbeitung der reichhaltigen Auf-
sammlungen aus allen Theilen Krains wurde begonnen, mit Sachkenntnis,
Gründlichkeit und Scharfblick durchgeführt, und die interessanten Resultate
inzwischen in zwangloser Folge unter den Titeln „Mykologisches aus Krain"
und „Materialien zur Pilzkunde Krains" in der ZBG. und in der OeBZ. der
Oeffentlichkeit übergeben. Auch in anderen Zeit- und Gesellschaftsschriften
finden sich Berichte über seine in Krain gemachten mykologischen Funde,
ferner Studien über Brand- und Rostpilze, über Perouospora viticola, Be-
schreibungen neuer und kritischer Arten und populär gehaltene Darstellungen
einzelner mykologischer Themen. Im XXXI. Bande unserer Vereinsschrift
schildert Voss das Leben und Wirken des österreichischen Botanikers und
ersten Erforschers Krains, J. A. Scopoli, berücksichtigt dabei in erster Linie
auf Anregung Reichardts das von Scopoli auf dem Gebiete der Mykologie
Geleistete und schreitet mit dem grössten Erfolge zur Deutung der von Sco-
poli für Krain angeführten Pilze, insoferne er auch jene Hymenomyceten,
die E. Fries nicht deuten konnte, mit Sicherheit aufklärt und auch über
die Vertreter der anderen Pilzgruppen Aufschlüsse bringt, so dass mit Aus-
nahme von 15 Arten alle von Scopoli aufgezählten Pilze sichergestellt sind.
Im Jahre 1889 schritt Voss an die Herausgabe seiner „Mycologia Carniolica.
Ein Beitrag zur Pilzkunde des Alpenlandes", welches im Verlage von R.
Friedländer & Sohn in Berlin erschien und im Jahre 1892 abgeschlossen
wurde. In dieser ausgezeichneten Zusammenfassung der Pilze Krains (mit
Ausnahme der Spalt- und Gährungspilze) lehnt sich Voss in systematischer
Beziehung an die neueren mykologischen Werke; in der Artbenennung
wird die Wahrung des Prioritätsgesetzes angestrebt; Diagnosen werden nur
den neuen Arten, sowohl denjenigen, die hier zuerst oder von Voss bereits
früher aufgestellt wurden, beigegeben, im übrigen wird bei jeder Art die
nothwendigste Literatur mit kluger Auswahl citiert. Die Zahl der in der
„Mycologia Carniolica" namhaft gemachten Pilze beträgt 374 Gattungen mit
1649 Arten; es sind mithin für Krain nahezu ebensoviel Pilze bekannt, als
für das mykologisch bestdurchforschte Kronland, Niederösterreich, in Becks
Aufzählung der Kryptogamen dieses Landes angeführt sind. Mit „Mycologia
Carniolica" schliesst die Thätigkeit Voss', die für das Land, wohin ihn sein
Beruf führte, das Erspriesslichste leistete.
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Titel
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Untertitel
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Autor
- Alfred Hölder
- Herausgeber
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 14.3 x 24.0 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Naturwissenschaften Biologie