Seite - 169 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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Morphologie, Entwicklungsgeschiclite uiul Systematik der Kryiitot>ainen. 169
Schädlichkeit das Interesse des Wein- und Obstbauers in hohem Grade be-
anspruchen. Auch in dieser Richtung- entfaltet Thürnen eine rege Arbeit-
samkeit; er ist bestrebt, die Pilze, die er als Krankheitsverursacher erkennt,
zu beschreiben und die j\Iittel zur lleiluni;- der angei^riftentMi (Uilturgewächse
vielfach auf Grundlage eigener Experimente zu ermitteln. ThInnen bevor-
zugte es bei diesen Arbeiten, die Pilze der einzelnen Culturgewächse in kleinen
Monographien zu schildern, ein Vorgang, welcher den Vorzug der Uebersicht-
lichkeit besitzt. Von seinen derartigen Studien, welche als selbständig pul)li-
cierte Arbeiten, ferner in den Schriften, welche von der Versuchsstation in
Klosterneuburg in zwangloser Folge und auch in den Praktikern gewidmeten
Zeitschriften erschienen sind, müssen als die hervorragendsten .,Die Pilze des
Weinstockes" (Wien 1878, 8*^) und „Die Pilze der Obstgewächse" (Wien
1888, 8*^) genannt werden, welche zugleich als die Typen seiner phytopatho-
logischeu Arbeiten angesehen werden können. Alle diese Publicationen
kennzeichnet in erster Linie die erschöpfende Zusammenfassung des in der
Literatur über den Gegenstand Bekannten, die Uebersichtlichkeit und Klar-
heit in der Anordnung der Materie und die Berücksichtigung der praktischen
Richtung. Einen Blick in seine reiche Thätigkeit, sowohl was seine phyto-
pathologischeu, wie auch pilzfloristischen Arbeiten anbelangt, gestattet ein
lithographiertes Schriftchen, welches alle bis zum Jahre 1880 erschienenen
Publicationen Thümens aufzählt und 137 derselben anführt, welche, mit Aus-
nahme von vieren, durchwegs mykologischen Inhaltes sind. Die Kenntnisse
der Pilze förderte Thümen ausser seiner literarischen Thätigkeit auch durch
die Herausgabe seiner Exsiccatenwerke, welche zu den besten Sammlungen
getrockneter Pilze gehören, und deren grosser Wert einhellige Anerkennung
findet. Rein wissenschaftliche Zwecke verfolgen seine ..Fungi Austriaci"
(13 Centurien) und seine „Mycotheca Universalis" (22 Centurien); den prak-
tischen Bedürfnissen trugen zwei andere Exsiccatenwerke, die „Pilze der Wein-
rebe" (25 Arten) und das „Herbarium mycologicum oeconomicum" (13 Cen-
turien) Rechnung.
An derselben Anstalt mitThümen wirkend, betrat auch EmerichRdthay
(geboren 1845 in Budapest, gestorben am 9. September 1900), zuerst Pro-
fessor, dann Director der k. k. önologisch -pomologischen Anstalt in Kloster-
neuburg, vielfach das Feld der Mykologie. Auch ihn beschäftigten in erster
Linie jene Pilze, welche als Schädlinge unserer Culturgewächse erkannt
wurden, er stellt aber, und dies ist charakteristisch für seine einschlägigen
Arbeiten, das physiologische Moment in den Vordergrund. Ferner kennzeichnen
seine Studien grosser Fleiss, starke Vertiefung in den Gegenstand und die
streng wissenschaftliche Grundlage, auf welche sie aufgebaut sind. Die Re-
sultate seiner mykologischen Untersuchungen, insoferne dieselben rein wissen-
schaftlich waren, veröffentlichte Räthay in den SWA., in der OeBZ. und
in den ZBG. Li diesen Schriften behandelt er in einer vorläufigen Mitthei-
lung den von Cladosporium llösleri Cattan. erzeugten „schwarzen Brenner"
der Weinrebe, ferner den Hexenbesen der Kirschbäume, als dessen Erreger
er den Exoascus Wiesneri erkannte, und die durch Exoascus-Arten hervor-
gerufenen Deformationen der Laubtriebe einiger Amvgdaleen, den Generation«-
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Titel
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Untertitel
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Autor
- Alfred Hölder
- Herausgeber
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 14.3 x 24.0 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Naturwissenschaften Biologie