Seite - 176 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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176 A. Zahlbruckner.
hofer machte Mittheilung über die von Cordiccps militaris befallenen Raupen
von Ardia aulica in der Brühl bei Mödling; C. Wedl (1861) schildert einen
im Zahnbein und Knochen keimenden Pilz.
Zur Teratologie der Pilze bringt Josef Brunnthaler einen Beitrag, in-
dem er in unseren Verhandlungen (1895) die monströse Wuchsform des Foly-
porus squamosus schildert und abbildet.
Wenn wir noch erwähnen, dass die Nomenclatur der Pilzgattung Nae-
gelia Schrot, eine eingehende und kritische Erörterung erfuhr (durch K.
Fritsch), dass das Capitel über geniessbare und giftige Pilze vielfach in po-
pulärer und auch mehr wissenschaftlicher Weise, doch allgemein gehalten (so
von A. Skofitz, JosefFuchs) behandelt wurde, so haben wir in grossen Zügen
dasjenige geschildert, was in der zweiten Hälfte des lÜ. Jahrhunderts von
österreichischen Forschern auf dem Gebiete der Mykologie geleistet wurde.
3. Flechten.
Von Dr. Alexander Zahlbruckner.
Ein Reich, das sich von den schnee- und eisbedeckten Gipfeln der x41pen
allmählich in das Tiefland der Puszten abstuft, in welchem die grösste Mannig-
faltigkeit klimatologischer, geologischer und pflanzengeographischer Verschie-
denheiten herrscht, bietet einen von allen diesen Bedingungen abhängigen
und mit ihnen wechselnden Reichthum an Flechten. Es kann daher nicht
Wunder nehmen, dass die Erforschung der reichen, noch nahezu unbekannten
Flechtenvegetation und die Feststellung der horizontalen und verticalen Ver-
theilung ihrer Glieder in den einzelnen Kronländern die österreichischen
Lichenologen mächtig anzog und sie, insbesonders zu Beginn jener Periode,
welche für die Anschauungen über das Wesen der Flechten so tiefgehende,
ihre systematische Gliederung so stark beeinflussende Aenderungen zu bringen
berufen war, fast ausschliesslich beschäftigte. Wesentlich förderten diese
Forschungsrichtung auch die im ersten Deeennium des in Betracht zu ziehen-
den Zeitabschnittes erschienenen flechtensystematischen Arbeiten. Zu Anfang
der Fünfzigerjahre begann man mit grossem Fleisse die mikroskopischen Merk-
male der Flechten in Betracht zu ziehen, zunächst allerdings mehr den inneren
Fruchtbau und die Gestalt der Sporen, als den anatomischen Aufbau des
Lagers ins Auge fassend. Aus diesen einseitigen Untersuchungen gieng jenes
sporodologiscbe Flechtensystem hervor, welches bei einer schärferen Abgren-
zung der Arten eine weitgehende Zersplitterung der Gattungen bewirkte.
Nach Vorarbeiten, welche De Notaris, Tornabene und Trevisan geliefert
hatten, betheiligten sich an dem Ausbaue dieses neuen Systems in erster
Linie A. Massalongo und G. W. Koerber, nach deren Namen man auch
das sporodologiscbe System zu benennen gewohnt ist. A. Massalongo (ge-
boren am 13. Mai 1824 zu Tregnago im Veronesisclicn, gestorben am 25. Mai
ISGO in Verona, wo er als Professor der Naturgeschichte am dortigen Gymna-
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Titel
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Untertitel
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Autor
- Alfred Hölder
- Herausgeber
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 14.3 x 24.0 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Naturwissenschaften Biologie