Seite - 177 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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Morpholoiric, Kntwicklmi-s-csclii.litc und Sy.striiiiitik «Irr Kryptu-aidni. 177
sium wirkte) hielt bei seinen fleehteusystematischen Arbeiten an dem Grund-
satze fest, dass für die Begrenzung der Flechtcngattungen in erster Linie die
Gestalt und Scptierung der Sporen, allerdings unter Borticksichtigung des
Baues der Apothecien und der thallodisclien Merkmale, den wesentlichsten
Punkt zu bilden habe. Dieses im allgemeinen zu billigende Princip, welches
.Alassalongo jedoch nur in Bezug auf die Sporen consequent durchführte,
bildet die Grundlage aller seiner lichenologischen Arbeiten und wurde von ihm
in denselben auf das eifrigste vertheidigt. Seine Versuche, auf dieser Grund-
lage ein natürliches Flcchtcnsystem zu schaffen, schlugen fehl, wie jede dahin
gerichtete Bemühung, nach einem theoretisch construierten und dann starr
durchgeführten Grundsatze die natürliche Gliederung irgend einer Gruppe von
Organismen durchzuführen, scheitern muss. Die Feststellung dieser Tliat-
sachc, zur Charakteristik des sporodologischen Systems herbeigezogen, soll
die unvergänglichen Verdienste Massalongos auf dem Gebiete der Licheno-
logie nicht im geringsten schmälern; die Kesultate seiner intensiven, von einem
jähen Tode leider zu früh unterbrochenen Thätigkeit waren für die weitere
Entwicklung der Flechtenkunde von der grössten Bedeutung. Als erste Arbeit
über die Lichenen veröffentlichte Massalongo im Jahre 1848 eine kleine
Studie über Pollinis Lecidea holcana, dieser folgte 1852 ebenfalls eine kleinere
Publication über die Gattungen Dirina und Dlrmo])sis; in der letzteren sind
bereits die Principien, nach welchen er das Flechtensystem ausbauen wollte,
deutlich erkennbar. Noch in demselben Jahre erschien ein gross angelegtes,
gänzlich auf die oben skizzierten Grundsätze aufgebautes Werk seine „Ri-
cerche sulf autonomia dei licheni crostosi-' (Verona 1852, 8"^). In diesem
bahnbrechenden Buche wurde auf Grund langwieriger und mühsamer mikro-
skopischer Untersuchungen eine grosse Anzahl von Krustenflechten eingehend
beschrieben und ihre inneren Fruchtmerkmale durch 398 Figuren auf 64 litho-
graphierten Tafeln illustriert; es wurde darin ferner der Nachweis erbracht,
dass auch die Flechten mit krustigem Lager fertige Zustände und distincte
Arten sind. Im Jahre darauf veröffentlichte er unter dem Titel: „Mouografia
dei licheni blasteniospori" (Verona 1853, 8«, 6 Taf.) und „Memorie licheno-
grafiche" (Verona 1853, 8», 29 Taf.) neuerlich zwei grössere Arbeiten über
die Flechten. Die erste Arbeit ist eine Monographie der Lichenen mit soge-
nannten polarzweitheiligen Sporen, die zweite behandelt nach der in den
„Ricerche" niedergelegten Methode die Flechten mit strauchigem und blatt-
artigem Lager. Getreu seinen einmal als richtig erkannten Grundsätzen und
in ganz analoger Weise der Behandlung des Stoffes, durch die Einwände und
Angriffe seiner Gegner nicht wankend geworden, dehnte er in einer Reihe
von Schriften, welche in den Jahren 1853—1860 erschienen, seine Unter-
suchungen auf eine grosse Anzahl von in seinenHauptwerken nicht behandelten
Flechten aus. Es würde zu weit führen, dieselben einzeln näher zu behau
dein; nur das sei hervorgehoben, dass sie alle auch heute noch unentbehr-
liche Nachschlagewerke für den Flechteusystematiker bilden.^) Es genügte
1) Die Liste dieser .ScIiritU'ii ist in Krfiupelhubers „Geschichte der Lichciiologic", Bd. I,
8. 235, zusammengestellt.
Botanik und Zoologie in Oesterreich 1850—l'JOO. 12
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Titel
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Untertitel
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Autor
- Alfred Hölder
- Herausgeber
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 14.3 x 24.0 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Naturwissenschaften Biologie