Seite - 179 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
Bild der Seite - 179 -
Text der Seite - 179 -
Morphologit\ EiitwicUliinjfsjLri-scliiflitf iind Systematik ijor Krypt<iyaiiifii. 170
Als Ausgangspunkt für die licheuologische Erforscbuug Niederösterreichs
kann die von A. Pokorny^) verfasste, im Jahre 1854 erschienene syste-
iiintischc Aufzählung der bisher in der einschlägigen Literatur für dieses Kron-
laiul angegebenen Lielienen dienen. Eine kleine Arbeit desselben Autors
über die Flechtenfiora der Türkenschanzc bei Wien, welche damals noch ihren
eigenartig(Mi pflanzengeograpliisehen Charakter seliarf ausgeprägt zeigte und
aueh von L. v. lleufler geschildert wurde, sowie ein kleiner Beitrag, welchen
ebenfalls L. v. Heuf1er vertasste und der die FlechtenVegetation des Kalen-
derberges bei Miklling behandelte, ist das Wenige, was mit lieginn der Fünf-
zigerjahre der Pokorny'sehen zusammenfassenden Arbeit, welche sich noch
dem in Rabeuhorsts „Kryptogamentlora von Deutschland" (1. Auflage) nieder-
gelegten Systeme auschliesst, voraneilt. Nach dreijähriger Pause debütiert
J. S. Poetsch mit seiner ersten auf die Flechtenflora Niederösterreichs bezüg-
lichen Publication. J. S. Poetsch, zu Türmaul in Böhmen am 29. October
1823 geboren, studierte Medicin, kam nach Beendigung seiner Studien und
nach kurzer Praxis als Spitalsarzt in Wien im Jahre 1852 als Werksarzt nach
Gamiug in Niederösterreich, erhielt 1859 die Stelle eines Stift- und Convict-
arztes in Kremsmünster, verblieb dort bis zu seiner Pensionierung (1875),
lebte dann in Randegg, wo er sein arbeitsreiches Leben am 24. April 1884
beschloss. Poetsch wendete sich mit grossem Eifer der lichenologischen Er-
forschung Nieder- und Oberösterreichs zu und stellte sich diese zur Lebens-
aufgabe. Die Resultate seiner in Niederösterreich hauptsächlich in den Um-
gebungen von Gaming und Randegg unternommenen Sammeltouren hat er in
mehreren kleineu Abhandlungen, die in den Schriften unserer Gesellschaft
Aufnahme fanden, der Oeffentlichkeit übergeben, und auch die Flechten des
Oetschers landen in ihm ihren Schilderer. Mit Koerber in regem brieflichem
und später auch persönlichem Verkehre stehend, demselben seine Funde über-
mittelnd, stets sein Urtheil, welches ihm in kritischen Fällen als massgebend
galt, einholend, stand Poetsch ganz unter dem Einflüsse dieses Forschers.
Dieser euge Anschluss an die Richtung Koerbers darf bei der Beurtheilung
der von Poetsch veröffentlichten lichenologischen x\rbeiten, soweit es sich um
die Artbegrenzungen handelt, nicht ausseracht gelassen werden. Nebst Poetsch
griff auch J. B. Holzinger in die lichenologische Erforschung Niederöster-
reichs ein; er behandelt in einem Aufsatze (ZBG.) den schon mehrfach durch-
suchten Kalenderberg bei Mödling und zählt für denselben 84 Flechtenarten
auf. Kleinere Beiträge lieferten auch Dr. H.W. Reichardt (1866), H. Lojka
(1866', J. Wallner (1871) und V. v. Cypers. Mit einer grösseren zusammen-
fassenden Arbeit bereicherte J. E. Hibsch^) die über Niederösterreichs Flechten-
flora handelnde Literatur. Er stellt in dieser systematisch alle im Kronlande
beokichteten Arten, Varietäten und Formen der Strauchflechten nach Koer-
bers Anordnung zusammen und ergänzt diese Aufzählung durch die Angabe
der Standorte; im einleitenden Theile nuicht er ferner Mittheilungen über die
^) A. Pokorny, V'orarljfiten zu einer Kivptnoaiiicntiora Niederösterreichs (ZBG. IV,
1854, S.3»—168).
2) .1. E. Ilibseh, Dir Strauclillt rlitcii Niederösterreiclis. Eine Aiilzälilimg der liis jetzt
in diesem Kronlande beobaeliteten Formen (ZBG. XXVIII, 1878, S. 4ü7—42-2 ).
12*
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Titel
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Untertitel
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Autor
- Alfred Hölder
- Herausgeber
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 14.3 x 24.0 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Naturwissenschaften Biologie