Seite - 180 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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180 A. Zahlbniekner.
Verbreitimg der Strauchflecliteu in Niederösterreich im allgemeiueu imd über
ihre verticale Vertheilimg. Dieser Arbeit folgen zwei kleinere, eine von J. B.
Holzinger (1879), die andere von J. Hofer (1887). Mit einer planmässigen
Erforschung des Gebietes begann A. Zahlbruckner in den Achtzigerjahren
und publicierte im Jahre 1886 die erste seiner fünf bishe'r erschienenen Mit-
theilungen über diesen Gegenstand. Ebenfalls in den ZBG. (1884) brachte
P. Pius Strasser, Superior in Sonntagberg, den ersten Theil seiner Aufzählung
der in der Umgebung Seitenstettens und auf dem Sonntagberg, sowie an
einigen anderen Punkten Niederösterreichs beobachteten Flechten. Eine gute
Grundlage für fernere Forschungen bot G. v. Beck durch eine in unserer Ge-
sellschaftsschrift (1887) publicierte sorgfältige Zusammenstellung aller bisher
für Niederösterreich angegebenen Eichenen und ihrer Vertheilung im Kron-
lande. Eine neue Pannaria aus der Umgebung Aspangs beschrieb A. Zahl-
bruckner in den AWH.
Es wurde bereits gesagt, dass in der Erforschung der Flechtenflora
Oberösterreichs Poet^ch Hervorragendes leistete. Nachdem er über dieses
Capitel in mehreren kleinen Beiträgen Mittheilungen gebracht hatte, schritt er
im Vereine mit seinem Freunde K. B. Schiedermayr^) zur Ausgabe eines
grösseren Werkes, welches die Aufzählung und die Fundorte der für Ober-
österreich bekannt gewordenen Kryptogamen systematisch geordnet zusam-
menfasste. Die Bearbeitung der Flechten übernahm Poetseh und konnte
für das behandelte Kronland die stattliche Anzahl von 541 Arten anführen,
deren Auffindung zum grössten Theile seiner unermüdlichen Sammelthätig-
keit zu verdanken ist. Der grosse Einfluss Koerbers ist auch in diesem
Werke unverkennbar, doch wahrt sich Poetsch in manchen Beziehungen
auch ein selbständiges Urtheil; so ändert er theilweise die Reihenfolge der
Gattungen ab und ist bestrebt, in der Nomenclatur dem Prioritätsgesetze mehr
Raum zu geben als sein Lehrer in der Lichenologie. Die nomenclatorischen
Aenderungen, die Poetsch im Gegensatze zu Koerber vorzunehmen sich ge-
nöthigt sah, geschahen nach reiflicher Ueberlegung und genauem Studium
der lichenologischen Literatur; sie verdienen, insoferne sie nicht von spä-
teren Autoren schon angenommen wurden, volle Berücksichtigung. Mit dieser
„Zusammenstellung" schliesst Poetsch seine auf Oberösterreich bezügliche
flechtenfloristische Thätigkeit ab; sein Mitarbeiter hingegen lieferte einige
Jahre später (1877) noch eine Aufzählung der in der Umgebung der Landes-
hauptstadt beobachteten Eichenen und im Jahre 18942) derjenigen Formen
und Standorte bemerkenswerter Arten, welche durch spätere Forscher aufge-
funden wurden.
Das angrenzende Salzburg fand in dem k. k. Kreisphysicus A. Sauter
einen unermüdlichen und erfolgreichen Erforscher. Bei seiner Sammelthätig-
keit auch den Flechten Aufmerksamkeit schenkend und die Ausbeuten be-
1") J.S.Poetseh imd K. B. Schiedermaj-r, Zusammenstelluug der im Erzherzogthume
Oesterreich ob der Euus bisher beobachteten samenlosen Pflanzen (Kryptogamen). Herausgegeben
von der k. k. zool.-bot. Gesellschaft OVien 1872, 8").
2) Schiedermayr, K. B.: Nachträge zur Zusammenstellung der im Erzherzogthxmie
Oesterreich ob der Enns bisher beobachteten samenlosen Pflanzen (Kryptogamen). Heraus-
gegeben von der k. k. zool.-bot. Gesellschaft (Wien 1894, 8'').
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Titel
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Untertitel
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Autor
- Alfred Hölder
- Herausgeber
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 14.3 x 24.0 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Naturwissenschaften Biologie