Seite - 207 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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MorplKilo-ric, Kiitwicklmitisj-cscliiclitc innl Systematik der IMianiTo^ranicii. 207
Melampijrimi,^) Finus;^) Galanthus,^) Caltha,^) Anthijllis,^) von letzteren Arbeiten
über die Morpholog-ie der rriichte/') til)cr lilattmorphologie ^) etc. zu crwälincii.
Wie schon bemerkt, stand Kerners Standpunkt l)ezüglich der Behand-
lung- der PHanzensippen im Zusammenhange mit bestimmten descendenz-
theoretischen Anschauungen. Kerner war einer derjenigen, welche in Er-
kenntnis, dass es nicht möglicli ist, mit der von Darwin angenommenen
Fixierung und Häufung zufälliger kleiner Variationen durch Selcction im
Kampfe ums Dasein alle Fälle von Formncubildung zu erklären, den Versuch
unternahmen, eine andere Erklärung für diesen Vorgang zu geben.
Er erblickte— ähnlich wie auf zoologischem Ge])iete A. Weismann—
in der Kreuzung gelegentlieh der sexuellen Fortpflanzung jenen Vorgang,
durch den in ganz gesetzmässiger Weise eine gewisse Variabilität der Orga-
nismenwelt herbeigeführt wird, die der ZuchtAvahl Gelegenheit zur Auswahl
des Geeignetsten gibt. Schon 1871 veröffentlichte Kern er den Grund-
gedanken dieser seiner Vermischungstheorie unter dem Titel „Können aus
Bastarden Arten werden?" in der OeBZ. Später erfuhr diese Theorie eine
eingehende Begründung in Kerners berühmtestem und wirkungsvollstem
Werke, in seinem „Pflanzenleben", das bisher in zwei Auflagen erschien,»)
ins Englische und Italienische übersetzt wurde und ebenso Zeugnis von seiner
umfassenden Naturerkenntnis, wie von seinem künstlerischen Empfinden gibt.
Es kann heute keinem Zweifel unterliegen, dass eine aligemeine Be-
deutung dieser Vermischungstheorie nicht zukommen kann. Wenn wir trotz-
dem ihre Aufstellung nicht zu bedauern brauchen, so hat dies darin seinen
Grund, weil das Bestreben, diese Theorie zu begründen, Kerner zum Studium
derAnpassungserscheinungen bestimmte, ihn zu einem der bedeutendsten Oeko-
logen machte. Es ist etwas ganz anderes, wenn ein Systematiker die Merk-
male einer Pflanze vom rein morphologischen Standpunkte aus betrachtet, oder
wenn er in der Lage ist, in ihnen den Ausdruck einer bestimmten Anpassung
zu erblicken. Der Einblick in das Wesen eines Merkmales ist ja dasjenige,
was die heutige Systematik von der rein formalen Systematik früherer Zeiten
unterscheidet, und diesen Einblick verdankt die Systematik neben dem Auf-
schwünge der Anatomie und Physiologie in erster Linie der ökologischen
Betrachtungsweise. Kerner hat als Oekologe insbesondere durch seine Ab
handlung „Die Schutzmittel der Blüten gegen unberufene Gäste" ') und durch
sein „Pflanzenleben" in den weitesten Kreisen ungemein anregend gewirkt,
verhältnismässig klein ist dagegen die Zahl der Forscher, die auf demselben
1) ZBG. 1882, Verh., 8. 187.
2) Zur Kenntnis der Torf bcwolinendcn Föliren (AWII. III).
3) Wiener Illustrierte Gartenzeitung ]8'.)4.
4) Versuch einer Gliederung des Fornienkreises von Caltha palmlrls (ZBG. 1886).
'">) Vgl.AWH. 1800.
'_') Versueli einer neuen Classifieation der Früchti' (ZIKJ. 1891 1.
<) Ueher die Entwicklung und den Hau des .Seliwinniihlattcs von Xeptnnia (ZBG. 1889).
8) Leipzig, Bibliogr. Institut ls«tl und 1S98.
^1 Festsehrit't anliisslich des tunfundzwanzigjälirigeu Bestandes der zoologiseh-hotaniselien
Gesellsehaft ISTO; von anderen ökcdogisclien Speeialuntersucliungen Kerners seien genannt:
Die Scliutzinittel des Pollens gegen di(! Nachtlieile vorzeitiger Disloeation ete. Innsltruck 1873;
Der Eintluss der Winde auf die Verbreitung der .Samen im Hocligebirge (Zeitschr. d. Deutschen
u. Oesterr. Alpenvereius 1871;.
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Titel
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Untertitel
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Autor
- Alfred Hölder
- Herausgeber
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 14.3 x 24.0 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Naturwissenschaften Biologie