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Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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220 A. Burgerstein. der Pflanzen gefördert, sondern diese Disciplinen in den Dienst der Paläonto- logie— er war ja einer der Begründer der wissenschaftlichen Phytopaläonto- logie— und der Culturgeschichte („Botanische Streifziige auf dem Gebiete der Culturgeschichte") gestellt. Ungers grosse Leistungen haben die anatomische und physio- logische Botanik schon in den Fünfzigerjahren zu grossem Ansehen gebracht; seinen Verdiensten und den Arbeiten seiner von ihm begeisterten Schüler ist es zuzuschreiben, dass Oesterreich sich schon frühzeitig auf den genannten Gebieten hervorthat. Gleichzeitig mit Franz Unger glänzte an der Wiener Universität (1849 bis 1889) Ernst Brücke, dem auch die Pflanzenphysiologie wertvolle Arbeiten verdankt. In seinem classischen Aufsatze „Ueber dieElementarOrganismen" behandelt dieser Forscher, vorwiegend von der thierischen Zelle ausgehend, allgemeine Fragen der Zellenlehre. Insbesonders erkannte er, dass das contrac- tile Protoplasma der wesentliche Theil der lebenden Zelle sei; er sprach auch den Gedanken aus, dass alle Gewebselemente, so diflferent ihre Form sein möge, nur aus Zellen entstanden sein konnten. Grundlegende physiologische Arbeiten bilden Brückes Untersuchungen über die Keizerscheinungen der Sinn- pflanze und über den Safttrieb der Rebe. Unger starb am 13. Februar 1870. Seine Schüler, Hubert Leitgeb, Adolf Weiss, Josef Böhm und Julius Wiesner, folgten den Bahnen des Meisters. WährendLeitgeb (geb. 1835, gest. 1888), durchNägelis Forschungs- richtung vielleicht noch mächtiger als durch Unger angezogen, sich haupt- sächlich dem Studium der Entwicklungsgeschichte zuwandte und auf diesem Gebiete eine Eeihe ausgezeichneter Arbeiten ausführte— wir verweisen nur auf seine morphologisch-entwicklungsgeschichtliche Monographie der Leber- moose— förderte Weiss (geb. 1837, gest. 1894) hauptsächlich die descriptive Anatomie, insbesondere hinsichtlich des Hautgewebes. Böhm (geb. 1831, gest. 1893) wandte sich, unter anderen durch Bunsen in den gasanalytischen Methoden ausgebildet und durch den Verkehr mit Unger angeregt, vornehm- lich der Physiologie zu. Mit wahrer Begeisterung für die Wissenschaft ver- folgte er mit unermüdlichem Eifer seine originellen Ideen, insbesondere in der schwierigen Frage des Saftsteigens ; allein ein gewisser Mangel an Klarheit in seiner Schreibweise brachte es mit sich, dass Böhms Arbeiten häufig nicht die verdiente Berücksichtigung fanden. In den Wintersemestern von 1862 bis 1874 hielt Böhm ein Colleg über Anatomie und Physiologie der Pflanzen. Wiesner (geb. 1838) war auf dem Gesammtgebiete der Anatomie und Physiologie der Pflanzen hervorragend thätig und ist es noch gegenwärtig; Arbeiten von fundamentaler Bedeutung sind ihm zu danken. Ihm gebürt auch das Verdienst, die theoretische Pflanzenanatomie in den Dienst der Praxis ge- stellt zu haben, denn Wiesner ist der Begründer der technischen Mikroskopie und Warenkunde (Rohstofflehre) auf wissenschaftlicher Grundlage, welche Fächer zuerst in Oesterreich (technische Hochschule in Wien) zu Lehrgegen- ständen erhoben wurden. Epochemachend waren ferner W^esners mikrosko- pische Untersuchungen auf archäologischem und paläographischem Gebiete; die Geschichte der Papiererzeugung hat er auf völlig neue Grundlagen gestellt.
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Botanik und Zoologie in Österreich In den Jahren 1850 bis 1900
Titel
Botanik und Zoologie in Österreich
Untertitel
In den Jahren 1850 bis 1900
Autor
Alfred Hölder
Herausgeber
K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
Ort
Wien
Datum
1901
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
14.3 x 24.0 cm
Seiten
716
Kategorien
Naturwissenschaften Biologie
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