Seite - 224 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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224 A. Burgerstein.
lichte eine Arbeit über Carotin und Hydroearotin (SWA. 1886). — Rosoll
lieferte Beiträg-e zur Kenntnis des Vorkommens und des mikroskopischen Nach-
weises des Saponin, Sti-ychuin, Berberin, Cytisin, Coniin, Datiscin, Curcumin
in vegetabihschen Geweben (SWA. 1884 und a. a. 0.). — Weinzierls Unter-
suchungen erg-aben, dass das Phlorog-luciu eine weite Verbreitung im
Pflanzenreiche hat und vorzugsweise im Phellogen in reichlicher Menge vor-
kommt (OeBZ. 1876). — Wiesner und Molisch bereicherten unsere
Kenntnisse über das Anthocyan, Arbeiten von Vog-1 (SWA. 1866),
Wiesner und Bauer sind dem Vorkommen und Verhalten der Gerbstoffe
g-ewidmet.
Bis zum Jahre 1866 sah man die Zellwand als verholzt an, wenn die
Cellulosereactionen negativ ausfielen. Wiesner fand aber zuerst im Anilinsulfat
(Karsten, Bot. Unters. 1866), später (SWA. 1878) in der Combinatiou Phloro-
glucin+ Salzsäure positive Eeagentien aufLiguin. Verholzte Membranen
werden durch den erstgenannten Körper gelb, durch die beiden anderen violett-
roth gefärbt. Diese beiden Wiesner'schen Holzstoffreactionen sind seither
allgemein im Gebrauch. — Mit Anwendung des Anihnsulfates hat Burger-
stein (SWA. 1874) die Gewebearten zahlreicher Pflanzen aus allen Classen
des Gewächsreiches auf den Grad und den Beginn der Verholzung untersucht.
Eine Bestätigung und Erweiterung der Beobachtungen Burgersteins ergaben
die Detailarbeiten von Richter (SWA. 1881) bezüglich der Pilze, von Forseil
(SWA. 1886) bezüglich der Flechten, von Gjokic (1895) bezüglich der Moose
und von K. Linsbauer (1899) bezüglich der Pteridophyten.— Singer zeigte
(SWA. 1882), dass das „Lignin" keine chemisch einheitliche Substanz sei,
indem es ihm gelang, durch siedendes Wasser aus dem Holze: Vanillin, Coni-
ferin, eine Gummiart und einen durch Salzsäure sich gelb färbenden Körper
zu extrahieren. Nachdem zuerst Tangl (Flora 1874) gezeigt hatte, dass das
„Coniferin" auch bei Angiospermen vorkomme, undHoehnel dies für viele
Holzarten bestätigt hatte (SWA. 1877), konnte Molisch mit Hilfe eines neuen,
von ihm entdeckten Reagens der von Hoehnel und Singer vertretenen An-
sicht beipflichten (DBG. 1886), wonach das Coniferin als ein constanter Be-
standtheil des Lignins aufzufassen sei. — Nach neuen Untersuchungen von
Czapek (1899) sollen die „Liguiureactionen" des Holzes weder durch Vanillin
noch durch Coniferin hervorgerufen werden, sondern durch ein anderes aro-
matisches Aldehyd, welches krystallisiert aus dem Holze gewonnen werden
kann und von Czapek als Hadromal bezeichnet wird.— Eingehende Unter-
suchungen über die Zunahme des Ligningehaltes im Coniferenholze nach Art,
Varietät, Alter, Standort, Wachsthumsgeschwindigkeit und Ernährungsweise des
Individuums wurden von Cieslar veröffentlicht (1897), dem die Forstbotanik
manchen wertvollen Beitrag verdankt.
G. Haberlandt gelang es (OeBZ. 1874), durch combinierte Anwendung
von Macerationsflüssigkeiten Cellulose im Korkgewebe aller darauf geprüften
Periderme nachzuweisen, und Richter zeigte (SWA. 1881), dass die soge-
nannte Pilzcellulose nicht eine besondere, sondern gewöhnliche Cellulose
ist, die fremde Beimengungen enthält. — Bezüglich der geformten Wachs-
überzüge lieferte Wiesner den Nachweis, dass dieselben entweder aus Kry-
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Titel
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Untertitel
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Autor
- Alfred Hölder
- Herausgeber
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 14.3 x 24.0 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Naturwissenschaften Biologie