Seite - 226 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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226 A. Burgerstein.
In zwei grösseren Abhandlungen (JB. 1865, SWA. 1890) hat Weiss auf
Grund mühevoller Messungen und Zählungen ein überaus reichhaltiges stati-
stisches Material über Form, Grösse, Zahl, Vorkommen und Vertheilung- der
Spaltöffnungen bei Pflanzen der verschiedensten Organisation veröffentlicht,
das auch für physiologische Fragen willkommene Daten liefert. — G. Haber-
landt studierte den Bau und Bewegungsmechanismus des Spaltöffnungsapparates
der Schwimm- und Wasserpflanzen (Flora 1887). — Beiträge zur Kenntnis
der Stomata haben ferner Heinricher, Hoffmann, Langer, Nestler, Solla,
Wilhelm, Wullf und Wiesner geliefert. — Zahlbruckner bereicherte
unsere Kenntnisse über die Anatomie und Physiologie der Lenticellen (ZBG.
1884), Kreuz untersuchte die Entwicklung der Lenticellen bei Ämpelopsis-
Zweigen (SWA. 1881), und Haberlandt machte die Beobachtung, dass die
Lenticellen an der Unterseite horizontaler junger Zweige stets zahlreicher auf-
treten als an der Oberseite, dass sich jedoch mit dem Alter des Zweiges die
Differenz allmählich ausgleicht (SWA. 1875).
In einer grösseren Arbeit legte Weiss seine Untersuchungen über die
Gestalt, den Bau, das Wachsthum, die Entstehung und Function der Pflanzen-
haare nieder (Bot. Unters., herausg. v. Karsten 1867). — Specialarbeiten über
Trichome haben Heinricher (Campanula-Arteia), Kechinger (Gesneraceen),
Burgerstein und Nestler (Frimula ohconica, deren Köpfchenhaare Erreger
von Hautentzündungen sind) veröffentlicht. — Mikosch verfolgte die Ent-
wicklungsgeschichte der Betuloretinsäuredrüsen (an Birkenblättern), die er als
echte Trichomgebilde erkannte. — Die Nectar absondernden Stellen an den
Hochblättern der Melampyren sind nach Eathay (SWA. 1880) den Haut-
drüsen im Sinne De Barys beizuzählen.
Anatomisch entwicklungsgeschichtliche Untersuchungen über Secretbe-
hälter flüchtiger Oele in Bezug auf ihren histologischen Wert und ihre ly-
sigene oder schizogene Entstehung wurden (bezüglich der Myrtaceen, Hyperi-
caceen, Rutaceen, Myrsineen etc.) fast gleichzeitig von Szyszyl'owicz (SA.
Krakau 1880) und Hoehnel (SWA. 1881) veröffentlicht. — Schon vor langer
Zeit erkannte AViesner (SA. 1865), dass das Harz das Product einer che-
mischen Metamorphose organisierter Substanzen ist. Später zeigte derselbe
Forscher, dass „resina Damar^^ nicht, wie allgemein angenommen wurde,
identisch ist mit dem Harz von Damara orientalis, sondern von einer Diptero
carpee (Shorea) abstammt. — Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der Harz-
gänge der Tanne, Fichte, Rothföhre lieferte Kreuz (SWA. 1877). Kronfeld
(BGB. 1889) beschrieb die Harzgänge in abnorm dreinadehgen Coniferenkurz-
trieben. Subtile Untersuchungen über die Entstehung und den Bau der Hof-
tüpfel verdanken wir Mikosch (SWA. 1881); es gelang ihm, manche strittige
oder unklare Punkte dieses schwierigen Gegenstandes aufzuklären.
Ein Gegenstand vielfacher Untersuchungen österreichischer Botaniker
war die Histologie des Holzes. Möller veröffenthchte charakteristische
Merkmale des Holzbaues von circa 350 Pflanzenarten (DWA. 1876); es war
damit einer der ersten Versuche gemacht, die xylotomischen Verhältnisse in
Beziehung zur Systematik zu bringen. — Gaunersdorfer beschrieb die Kern-
holzbildungen, welche infolge von Verwundungen entstehen (SWA. 1882),
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Titel
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Untertitel
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Autor
- Alfred Hölder
- Herausgeber
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 14.3 x 24.0 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Naturwissenschaften Biologie