Seite - 232 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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232 A. Burgerstein.
Gleich den Coniferen verhalten sich die Gnetaceen; dageg-eu bleiben die Keim-
pflanzen der Cycadeen im Finsteren chlorophyllfrei.
Nach Beobachtungen G. Haberlandts (SWA. 1876) beruht die Winter-
färbung ausdauernder Blätter auf drei verschiedenen Wirkungen: die Gelb-
färbung auf Chlorophyllzerstörung, die BraunfUrl)ung auf der Bildung eines
aus dem Chorophyll hervorgehenden braungelben Farbstoffes, die Kothfärbung
auf der Entstehung von Anthokyan.
Wichtige Arbeiten wurden auf dem Gebiete der Ernährungsphysio-
logie ausgeführt.
In einem selbständigen Werke (Jena 1892) hat Moliseh seine Studien
über die verschiedenen Beziehungen zwischen der lebenden Pflanze und dem
Eisen veröffentlicht. Es handelte sich ihm hier hauptsächlich darum, das
Vorkommen des Eisens im Pflanzenreiche und seine Vertheilung in den
Organen und Zellen zu erforschen, sowie die Beziehung des Eisens zu den
sogenannten Eisenbacterien und Eisenflechten aufzudecken. Moliseh be-
leuchtet ferner von Neuem die Erscheinung der Chlorose und beantwortet die
bisher noch immer offene Frage, ob das für die Chlorophyllbildung noth-
wendige Eisen auch an der Constitution des Farbstoffmoleküls selbst theil-
nimmt, endgiltig im negativen Sinne. In diesem Buche und noch später (SWA.
1894) unternahm es Molisch, die mineralische Nahrung der niederen
Pilze kennen zu lernen. Auf die Autorität Nägelis hin wurde allgemein
gelehrt, dass der Pilz für seine Entwicklung des Eisens nicht bedürfe, dass
er neben anderen Grundstoffen des Calciums oder Magnesiums benöthige, und
dass diese Elemente durch ihre nächsten Verwandten substituierbar seien. Mo-
lisch' Experimente mit Nährlijsungen, die mit der rigorosesten, auf dem Ge-
biete der Pflanzenernährung bisher nicht geübten Vorsicht hergestellt waren,
zeigten aber, dass die Pilze des Calciums entrathen können, hingegen nicht
des Eisens und des Magnesiums, welch letzteres durch kein anderes Element
vertreten werden kann. — Ferner entdecke Molisch (DBG. 1883, SA. 1887),
dass zum Nachweis von Nitraten in der Pflanze mit grossem Vortheil Di-
phenylamin verwendbar ist; diese Reaction kann zur Lösung verschiedener
physiologischer Fragen herangezogen werden. Mit Hilfe des Diphenyiamins
zeigte Molisch, dass aller Salpeter innerhalb der Pflanze von aussen stammt,
und dass — von Bacterien abgesehen — der Salpeter in der Pflanze weder
aus (stets fehlenden) Nitriten, noch aus Ammoniak, noch sonst irgendwie ge-
bildet wird.
Die Nothwendigkeit des Calciums für die normale Entwicklung der
Pflanze wurde allgemein angenommen, und es zeigte Böhm (SWA. 1875) be-
züglich der Feuerbohne, später auch Liebeuberg (SWA. 1881) bezüglich der
Erbse und des Kürbis, dass Keimpflanzen zur normalen Entwicklung Kalksalze
aus dem Substrate aufnehmen müssen, da die Peservestofte nicht genügende
Mengen derselben enthalten. — Sehr sorgfältige, mit Süsswasseralgen durchge-
führte Versuche von Molisch (SWA. 1895, 1896) ergaben aber das beachtens-
werte Resultat, dass gewisse Algen (ebenso wie die Pilze) des Kalkes entrathen
können. Dadurch erwies sich der als allgemein anerkannte Satz, dass jede
grüne Pflanze zur normalen Entwicklung Calcium bedürfe, als nicht richtig.—
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Titel
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Untertitel
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Autor
- Alfred Hölder
- Herausgeber
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 14.3 x 24.0 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Naturwissenschaften Biologie