Seite - 236 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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236 A. Burgerstein.
nicht einem specifisclien Bacterium, sondern überhaupt verschiedenen Bacte-
rien, auch Schimmelpilzen, zukommt, und dass die Indig-obereitung aus Indigo-
fera auf Java ein chemischer und nicht ein physiologischer Process sei. —
Die Orseille-Gährung- wird nach den Untersuchungen von Czapek durch
ein Bacterium verursacht, welches rein g-eztichtet wijrde und als specifischer
Erreger dieser Gährung- betrachtet werden muss.
Auf Grund ausgedehnter experimenteller Versuche zeigten Wiesner und
Molisch (SWA. 1881), dass die herrschende Lehre, derzufolge die vegetabi-
lischen Membranen der Gasdruckfiltration unterliegen, unrichtig ist. Die Gas-
bewegung von Zelle zu Zelle erfolgt vielmehr (abgesehen von den inter-
cellaren Communicationen) auf dem Wege der Diffusion. Es wurde auch von
den genannten Forschern festgestellt, welchen Eintiuss der Wassergehalt, die
chemische Constitution der Membran, die Dichte des Gases etc. auf die Dififu-
sionsbewegung ausüben. — Zahlbruckner hat für eine Reihe von Holz-
gewächsen den Grad der Durchlässigkeit der Lenticellen für Luft zu verschie-
denen Jahreszeiten ermittelt (ZBG. 1884).
Gross ist die Zahl der Arbeiten, welche sich mit der Wasserbewegung
in der Pflanze beschäftigen. Brücke zeigte (1844) in überzeugender Weise,
dass der Saftaustritt beim Bluten der Rebe nicht infolge der „Capillarattraction
der Gefässe" erfolgt, sondern dass lebende Zellen den Blutungsdruck erzeugen.
Später hat sich Unger (SWA. 1854) mit Studien über die Entstehung und
physiologische Bedeutung des Blutungsdruckes beschäftigt. — Während ihres
Aufenthaltes aufJava machten Figdor und Molisch experimentelle Beobach-
tungen, welche sich auf den Blutungsdruck beziehen. Nach Figdor (SWA.
1898) ist in den Tropen immer ein positiver Blutungsdruck vorhanden, und
zwar in sehr verschiedener Stärke (bei den untersuchten Pflanzen bis zu etwa
8 Atmosphären). Der Blutungsdruck schwankt bei einer und derselben Pflanze
innerhalb 24 Stunden oftmals bedeutend. Zur Erklärung dieser Thatsache muss
ausser der Erscheinung der täglichen Periodicität der Einfluss einer auch in
den Tropen ausgiebigen Transpiration herangezogen werden. Molisch fand
(Ann. Buitenz. S. A. 1898), dass in den Tropen Holzgewächse vorkommen,
welche die Erscheinung des Blutens im Zustande völliger Belaubung zeigen,
wie viele krautige Pflanzen unserer Flora. Bezüglich verschiedener Palmen,
aus denen zuckerreicher Saft in grosser Menge gewonnen wird, zeigte
Molisch, dass die bis jetzt unbestrittene Angabe, es handle sich hier um
Wurzeldruck, unrichtig ist. Die osmotische Kraft, die den Zuckersaft hervor-
quellen macht, hat z. B. bei Cocos ihren Hauptsitz im Blütenstande selbst, bei
Arenga in der oberen Stammpartie, und verdankt ihre Auslösung einem beson-
deren Wundreiz. Interessant sind ferner die Untersuchungen von Molisch
über das Ausströmen des Wassers aus angeschnittenen Stammstücken zahl-
reicher tropischer Lianen.
Mit dem Studium der Kräfte, durch die das Wasser in die Baumkronen
insbesonders zur Zeit erhöhter Transpiration gehoben wird, und mit der Frage
des Antheiles, den die Wand und das Lumen der wasserleitenden Holzelemente
bei diesem Processe haben, hat sichBöhm durch drei Decennien experimentell
beschäftigt (SWA. 18G3, 1864, Landw. V. Stat. 1877, 1878, BZ. 1881, ZBG.
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Titel
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Untertitel
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Autor
- Alfred Hölder
- Herausgeber
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 14.3 x 24.0 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Naturwissenschaften Biologie