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Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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Seite - 241 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900

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Entwicklunj» der Anatomie und Thysiolofiie der PHanzen. 241 Vegetationsspitze wachsender Pflanzentheile in einer eigenartigen Bewegung, der „Circumnutation", sich befindet; zugleich versuchte Darwin, nahezu alle Bewegungsformen (Nutationen) auf die Circumnutation zurückzuführen und aus dieser Urbewegung abzuleiten. Wiesner hat aber in einem gleiclinamigen Buche (Wien 1881, ferner SA. 1884) die Existenz einer allgemein verbreiteten Circumnutation im Sinne Darwins als nicht zutreffend erkannt. Er zeigte, dass in die „Circumnutation" dreierlei verschiedene Bewegungsweisen fallen, nämlich: a) gewisse histologisch erklärbare Unregelmässigkeiten im Wachsthum, „Störungen", h) die combinierte Wirkung verschiedener spontaner und parato- nischer Nutationen und c) die revolutive Nutation. Die Einheit, auf welche sich alle Nutationsbewegungen zurückführen lassen, ist nicht die „Circum- nutation", sondern das Wachsthum selbst. — Auch die Ansicht Darwins, dass beim (positiven) Geotropismus die Schwerkraft die Wurzelspitze beein- flussen und letztere den Beiz zu jener Wurzelpartie leiten soll, in der die Krümmung thatsächlich erfolgt, wurde von Wiesner in Frage gestellt. Wiesner zeigte, dass der Grund, weshalb sich eine gekappte Wurzel nicht oder nur wenig geotropisch krümmt, darin liegt, dass eben infolge der Decapi- tierung der Turgor und das Wachsthum herabgestimmt werden. Einen Beweis gegen die Darwin'sehe Hypothese der geotropischen Reizübertragung erblickt Wiesner in der Thatsache, dass, wie der Knight'sche Rotationsversuch zeigte, Geotropismus auch an decapitierten AVurzeln eintritt. Die infolge der Decapi- tation der Wurzeln sich einstellende zeitliche Retardation des Längenwachs- thums Avurde durch zahlreiche directe Messungen von Molisch zweifellos be- stätigt (DBG. 1883). Die Frage^ ob die Reizaufnahme in der Wurzelspitze oder in der sich factisch geotropisch krümmenden Wurzelregion stattfindet, ist noch controvers; während der russische Botaniker Wachtel auf Wiesners Seite steht, sucht Czapek die Richtigkeit der Darwin'sehen Auffassung zu be- gründen. Darwin hat ferner gefunden^ dass eine Keimwurzel^ deren Vegetations- spitze einseitig angeschnitten oder anderweitig einseitig verletzt wird, sich bei der Weiterverlängerung in der wachsenden Region von der Seite, die beschä- digt wurde, abkrümmt. Für diese Wachsthumskrümmung hat Wiesner die Bezeichnung „Darwin'sche Krümmung" vorgeschlagen (SA. 84) und ihre Entstehung auf experimentellem Wege erklärt. Durch das „Empfindungs- vermögen '' der Wurzelspitze und die Reizfortpflanzung in die Wachsthums- zone der Wurzel erklärt Darwin die Abkrümmung wachsender Wurzeln beim AntreÖen auf einen Stein, den Boden eines Blumentopfes oder ein anderes Hindernis. Burgerstein hat aber gezeigt (1882), dass die Abkrümmung der AVurzel beim Antreffen eines für sie undurclidringlichen Hindernisses und die Abkrümmung in dem Falle, wenn ihre Spitze einseitig verletzt wird (z. B. durch einen Tropfen alkoholischer Schellacklösung) zwei Erscheinungen sind, die durch verschiedene Ursachen bedingt und veranlasst Averden. Burgerstein hat auch die Angabe Darwins, dass die Wurzelspitze bei einer Temperatur von wenig über 20 '^ C. das Empfindungsvermögen verHert, berichtigt, indem es sich herausstellte, dass Keimwurzeln noch bei 30—35« C. diese Empfindlich- keit im Sinne Darwins haben. Botanik und Zoologie in Oesterreich 1850—l'JOO. 16
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Botanik und Zoologie in Österreich In den Jahren 1850 bis 1900
Titel
Botanik und Zoologie in Österreich
Untertitel
In den Jahren 1850 bis 1900
Autor
Alfred Hölder
Herausgeber
K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
Ort
Wien
Datum
1901
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
14.3 x 24.0 cm
Seiten
716
Kategorien
Naturwissenschaften Biologie
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