Seite - 244 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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244 A. Burgerstein.
nicht mehr zu zweifehi ist.— Krasan verfolgte (SWA. 1873) den Eiufinss der
Winterkälte auf die Knospenentfaltung- der Holzgewächse, G. Haberlandt
(OeBZ. 1876) den Einfluss des Frostes auf die Chlorophyllkörner. — Schu-
macher stellte fest, dass durch scharfes Gefrieren (die Abkühlung gieng bis
— 113 "^C.) die Gährkraft der frischen Presshefe nur verringert wird, wogegen
lufttrockene Hefe keine Einbusse des Gährvermögens erleidet. — Die Be-
ziehungen zwischen Holzstructur und Wärmeleitung bildeten den Gegenstand
einer Abhandlung von Reinitzer (Lotos 1879).
Seit den grundlegenden Untersuchungen von Mohl über den Laubfall
haben sich insbesouders Wiesner und Molisch mit dem Gegenstande be-
schäftigt. Wiesner fand (SWA. 1871), dass die Histolyse in der Trennungs-
schichte dadurch erfolge, dass infolge bestimmter, mit der verminderten Saft-
leitung imZusammenhange stehender Verhältnisse reichlicheMengen organischer
Säuren entstehen, welche die Intercellularsubstanz der Zellen der genannten
Gewebeschicht auflösen. — Molisch (SWA. 1886) hat die äusseren Ursachen
des Laubfalles, den Einfluss der Transpiration, des Sauerstoffes, des Lichtab-
schlusses, der mangelhaften Wasserzufuhr, der stagnierenden Bodennässe auf
den Laubfall festgestellt, unter gleichzeitiger Berücksichtigung der im Blatt-
grunde vorhandenen und sich vor dem Abfall der Blätter heranbildenden ana-
tomischen Verhältnisse.— Dass auch der Ablösung von Zweigen die Bildung
einer Trennungsschichte vorausgeht, hat Hoehnel für Laubhölzer und für
Coniferen nachgewiesen (1878, 1879).
In seiner Schrift „Ueber dieBewegungen der Mimosa pudica'' hat Brücke
gezeigt, dass nur die untere Gelenkhälfte der Blattstiele reizbar sei, und dass
der Mechanismus der Bewegungen auf Wasserverschiebung in den antagoni-
stischen Gelenkhälften zurückzuführen sei. Diese Schrift Brückes, in welcher
zum crstenmale die Reizbewegungen von anderen, ihnen ähnlichen Bewegungen
unterschieden wurden, bildete die Grundlage für die späteren Studien der Reiz-
erscheinungen der Sinnpflanze. — G. Haberlandt (Leipzig 1890) entdeckte
bei Mimosa die reizleitenden Zellen des Gefässbündels. Dieselben erscheinen
in den Leptomtheilen der Blattstiele und Stengelinternodien als kernfUhrende,
schlauchartige, in Längsreihen stehende Zellen. Bezüglich Oxalis sensiiiva
hält es Haberlandt (Ann. Buitenz. 1898) für sehr wahrscheinlich, dass die
Reizfortpflanzung nicht wie bei Mimosa auf den Ausgleich hydrostatischer
Druckdifferenzen beruht, sondern durch Plasmaverbindungen in den Gefäss-
bündeln vermittelt wird.
Heinricher (DBG. 1900) constatierte die Bildung von Regenerations-
knospen an isolierten Basaltheilen abgeschnittener Wedel aller darauf unter-
suchter Cystopteris-Arten. Diese grosse Regenerationsfähigkeit ist des-
halb von Interesse, als bisher bei den Farnen (abgesehen von den Marattiaceen)
kein Fall bekannt war, dass sich aus abgetrennten Blättern neue Pflanzen
gebildet hätten. Ferner fand Heinricher (DBG. 1896), dass— entgegen der
Ansicht von Matouschek— die Bulbillen von Cystopteris hulbifera bei einem
gewissen Grade der Ausreifung nach monatelanger Trockenlegung aufzuleben
vermögen. — Rechinger (ZBG. 1893) hat interessante Beobachtungen über
Callusbildung, Reproductionsvermögen und Polarität vegetativer Organe
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Titel
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Untertitel
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Autor
- Alfred Hölder
- Herausgeber
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 14.3 x 24.0 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Naturwissenschaften Biologie