Seite - 250 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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250 A. Handlirsch.
der ganzen Thiere bezieht, also die Entwicklung des Individuums, Fortpflanzung,
Lebensweise, Beziehungen zur Umgebung- (Mimicry etc., Gallen u. s. w.), end-
lich auch die von dem Meteorologen K. Fritsch begründete Phänologie, eine
speciell österreichische Wissenschaft.
Die Biologie in diesem Sinne zusammen mit der geographischen Ver-
breitung und Morphologie bilden ja die Grundlagen der heutigen Systematik.
Dass die hier angedeutete Richtung in den letzten 50 Jahren auch
durch österreichische Arbeit in hohem Masse gefördert wurde, lehrt ein Blick
in die folgenden, von berufener Feder verfassten Specialcapitel, und wir
wollen uns daher begnügen, hier in wenigen Worten einiger Institutionen,
Unternehmungen und Personen zu gedenken, deren hohe Bedeutung für die
Wissenschaft in diesen Specialcapiteln nicht voll zum Ausdrucke kommen
konnte.
So müssen wir in erster Linie des Nestors der österreichischen Zoologen,
L. K. Schmardas, gedenken, dem wir. ausser eiaem früher allgemein be-
nützten Lehrbuche und einem genialen Reisewerke auch ein Buch über Thier-
geographie verdanken. Gerade dieses letztgenannte Werk gewinnt durch den
Umstand an Interesse, dass der Verfasser im Jahre 1853 in Bezug auf die
zoologischen Regionen, bereits vielfach zu ähnlichen Resultaten kam, wie sie
23 Jahre später der berühmte Engländer Wallace erzielte, dessen Werk noch
heute ziemlich allgemein als massgebend betrachtet wird.
Schon lange bevor die meisten österreichischen Universitäten mit rein
zoologischen Lehrkanzeln ausgestattet waren, besass unsere Wissenschaft ein
wenn auch bescheidenes, aber doch sicheres Asyl in dem alten kaiserlichen
Naturaliencabinete. Hier wirkten zu Beginn der zu besprechenden Periode
unter V. Kollars Leitung Diesing, Heckel, Redtenbacher u. a. Wenn
auch der Höhepunkt von Kollars Leistungsfähigkeit in die Zeit vor 1850
fällt, so hat er es doch auch in der späteren Zeit stets verstanden, den wissen-
schaftlichen Charakter des Institutes zu wahren. KoUar ist auch als der Be-
gründer jener biologischen Richtung zu betrachten, die später durch Frauen-
feld, Brauer, Giraud, F. Low, P. Low, G. Mayr und viele andere weiter
ausgebaut wurde und durch Decennien eine Specialität und Zierde der öster-
reichischen Zoologie bildete.
Als dann später durch K. Claus und Eilhard Schulze die Richtung
Joh. Müllers an die österreichischen Hochschulen verpflanzt wurde und hier
bald eine dominierende Stellung einnahm, fand die andere Richtung in dem
durch kaiserliche Munificenz zu einem der grössten und hervorragendsten
wissenschaftlichen Institute ausgebauten Hofmuseum dauernde und inten-
sive Pflege. Hier blieb immer reichlich Gelegenheit, kennen zu lernen, was
der Unterricht an den Universitäten dem jungen Zoologen zeitweise vorent-
hielt: die Mannigfaltigkeit der Thierwelt.
In innigem Zusammenhange mit dem Hofmuseum stehen auch einige
von den grossen Unternehmungen der kaiserlichen Akademie der Wissen-
schaften: die „Novara"-Reise, die Polarexpeditionen, die Tiefsee-Expeditionen,
die Expedition zur Erforschung des Rothen Meeres und die südarabische Ex-
pedition. Die zoologischen Resultate all dieser Unternehmungen sind zum
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Titel
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Untertitel
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Autor
- Alfred Hölder
- Herausgeber
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 14.3 x 24.0 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Naturwissenschaften Biologie