Seite - 255 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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Geschichte der Zoologie. 255
Nardü, ein venetianisclier Arzt, ist hier zunächst zu erwähnen, obwohl
er nach 1850 nichts mehr veröffentlicht hat und daher stricte eigentlich gar
nicht hieher gehört. Er sammelte Üeissig Spongicn in Venedig, studierte sie,
allerdings mit recht unvollkommenen Hilfsmitteln, und stellte eine Reihe von
Namen auf, welche später zum Theile von 0. Schmidt benutzt und in die
Wissenschaft eingeführt worden sind.
0. Schmidt wurde in 1857 zum Professor der Zoologie an der Grazer
Universität ernannt und wendete sich bald darauf dem Studium der adria-
tischen Spougien zu. Er unternahm 1861 eine Reise nach der dalmatinischen
Küste und Venedig, sammelte reichliches Spongienmaterial und interessierte
auch einige dortige Naturfreunde, namentlich Boglieh für diese Organismen.
Von diesem, sowie von Grube, Lorenz und Lieberkühn mit weiterem
Material versehen, war er im Stande, eine Darstellung der Spongienfauna des
Adriatischen Meeres zu geben, in welcher die Arten unter Berücksichtigung
des mikroskopischen Baues ihrer Skelettheile beschrieben sind. Er besuchte
Nardo, und dieser zeigte ihm einiges von seinem Material und theilte ihm die
Bedeutung der von ihm aufgestellten Nomina nuda mit. Später hat Schmidt
noch mehrere spongiologische Sammelreisen nach der dalmatinischen Küste
und Cette unternommen und Bowerbank in England aufgesucht, um die
Originale, die den Beschreibungen Bowerbanks zugrunde lagen, kennen zu
lernen und mit den adriatischen Spongien zu vergleichen. Er veröftentlichte
während seines Aufenthaltes in Graz die Ergebnisse dieser Arbeiten, sowie
der Untersuchungen über die Spongiensammlungen von der algerischen Küste,
welche ihm von den Franzosen zur Untersuchung überlassen worden waren, und
fasste in den „Grundzügen einer Spongienfauna des atlantischen Gebietes"
seine faunistischen Ergebnisse zusammen. Die in diesen Arbeiten Schmidts
enthaltenen histologischen, morphologischen und embryologischen Angaben sind
nicht besonders wertvoll, und auch seine Systematik hat später vielfache
Berichtigungen erfahren
DasVerdienst, alsPionnierdieadriatischenSpongienzum erstenmalewissen-
schaftlich untersucht zu haben, kann ihm aberniemand rauben, undjeder, der die
Schwierigkeit solcher Pionnierarbeiten kennt, wird zugeben, dass die Schmidt-
scheu Leistungen, trotz ihrer Mängel, unsere vollste Anerkennung verdienen.
Lide der von 0. ScJimidt ivährend seines Graser AufentliaUcs veröfjentliehten
Spongienarl)eiten.
1862. Die Spongien des Adriatischen Meeres. Leipzig.
1884. Supplement, enthaltend die Histologie und systematische Ergänzungen. Leipzig.
186<). Zweites Supplement, enthaltend die Vergleichung der adriatischen und britischen
Spougiengattungen. Leipzig.
IsCiT. Spongiologische Mittheilungen. In Arch. Mikr. An., Bd. 3, S. 390—392.
18G8. Die Spongien der Küste von Algier; mit Nachträgen zu den Spongien des Adria-
tischen Meeres (drittes Supplement). Leipzig.
1870. (Irundziige einer Spongienfauna des atlantischen (lebietes. Leipzig.
1870. Das natürliche System der Spongien. NVSt., Bd. 2, S. 261—269.
J. R. Lorenz hat in Fiume gelebt, die Verhältnisse des Quarnero genauer
untersucht und 1863 einige Spongien von dort beschrieben. Er veröffentlichte:
1803. PhysikalischeVerhältnisseundVertheiluugderOrganismenimCiuaruerischenGolfe.Wien.
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Titel
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Untertitel
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Autor
- Alfred Hölder
- Herausgeber
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 14.3 x 24.0 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Naturwissenschaften Biologie