Seite - 265 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
Bild der Seite - 265 -
Text der Seite - 265 -
Geschichte der Zoologie. 265
niedere Thierwelt tropischer Gegenden an Ort und Stelle studierten und zum
Gegenstände wissenschaftlicher Arbeiten machten, v.Lcndenfeld beschäftigte
sich während seines Aufenthaltes in Australien ausser mit den Spongien noch
mit den Polypomedusen, insbesondere mit den Rhizostomeen und Hydrome-
dusen.^) Nicht unerwähnt dürfen endlich die künstlerischen Leistungen des
Freih. Eugen v. Ransonnet-Villez bleiben, welcher, ein grosser Naturfreund
und eifriger Sammler, sehr treue unterseeische Bilder der Korallenriife des
Rothen Meeres und von Ceylon vom Boote aus und in der Taucherglocke
entwarf.2) — Zur Kenntnis der exotischen Thierwelt trugen ferner bei:
L. V. Lorenz (Hydroiden von Jan Mayen), G. Marktanner (Ophiuriden und
Hydroiden) und E. v. Marenzeller (Anthozoen, Echinodermen, Polychäten).
Dieser bearbeitete auch das Material, besonders Polychäten, mehrerer arkti-
schen und Tiefsee-Expeditionen.
Um die Kenntnis der heimischen Meeresfjuina haben sich in älterer Zeit
Camill Heller und J. R. Lorenz Ritt. v. Liburnau, k. k. Sectionschef i. R.,
bleibende Verdienste erworben. Beide waren so ziemlich auf ihre eigene
Kraft angewiesen und mussten mit nach unseren heutigen Begriffen sehr
bescheidenen Mitteln schaffen. Heller gab 1868 unter dem Titel „Die Zoo-
phyten und Echinodermen des Adriatischen Meeres" eine Beschreibung sämmt-
licher ihm bekanntgewordenen Anthozoen, Hydroidpolypen und Echinodermen
heraus. Dass er in ähnlicher Weise auch die Bryozoen, Crustaceen und ein-
fachen Ascidieu behandelte, wird man an den entsprechenden Stellen dieses
Buches finden. J. R. v. Lorenz, damals Gymnasialprofessor in Fiume, unter-
suchte, der Richtung Oersteds und Forbes' folgend, das Thierleben des
quarnerischen Golfes, Regionen und Facies der stationären und schwebenden
Thiere feststellend.^) Diese Arbeiten und die von Eduard Grube, Professor
der Zoologie an der Universität Breslau, bildeten die Grundlage für weitere
Bestrebungen auf diesem Gebiete. Grube, dessen engere Specialität die An-
neliden waren, hat in seinem „Ausflug nach Triest und den Quarnero", Berlin
1861 und in „Die Insel Lussin und ihre Meeresfauna"', Breslau 1864, ein
anschauliches Bild seiner Eindrücke und Funde gegeben und so lebhafte
Anregung geboten, dass seine Erwähnung, wiewohl er kein Oesterreicher
war, gerechtfertigt erscheint. In diese Periode fallen auch die Arbeiten
0. Schmidts über die adriatischen Schwämme, die oben angeführt wurden.
An dem weiteren langsamen Aufbau einer Fauna der Adria betheiligten sich
in der Folge, soweit es sich nicht um die in dem früheren Abschnitte hervor-
gehobenen Thiergruppen handelt: K. Claus (Quallen), E. Graeffe (Listen der
Fauna des Golfes von Triest nebst biologischen Notizen), E. v. Marenzeller
l^kritische Untersuchungen über die Echinodermen [vorwiegend Holothurien]
und Anneliden [insbesondere Syllididen und Terebelliden]), G. Marktanner
(Ophiuriden, Hydroiden), M. Stossich, Realschulprofessor in Triest (Hel-
V) Die aiistraliscben rhizo.stonien Medusen, Z. w. Z.. 7. Bd., S. 47, 1888: The Aiistralian
Hydromednse. Proc. Liiin. .Soc. N.!S.-W., Vol. IX, J885.— -'i Keise von Kairo nach Tor, ZBO.,
13. Bd.; Ceylon, 8kizze seiner Bewohner, seines Thier- und Pflauzeulebens und Untersuchung
des Meeresgrundes, Braunschweig 18C8.— =*) Physikalische Verhältnisse uiul Vertheilnng der Or-
ganismen im quarnerischen Golfe, Wien 1863.
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Titel
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Untertitel
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Autor
- Alfred Hölder
- Herausgeber
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 14.3 x 24.0 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Naturwissenschaften Biologie