Seite - 284 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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284 Karl Graf Attems.
Eine besondere Berücksichtigung- erfuhren dabei die Copulationsfüsse der Ju-
liden. Seither sind einige Novitäten durch Attems und Verhoeff hinzuge-
fügt worden.
Nömec beschrieb einige neue Formen aus Böhmen, und Sidoriak ver-
öffentlichte seine Sammelergebnisse in Galizien.
Eine Reihe neuer Polydesmiden aus Oesterreich sind im System der
Polydesmiden von Attems (4) enthalten.
Es vrurde schon erwähnt, dass das System der Diplopoden seit Latzel
ein vielfach verändertes Bild zeigt. Diese Veränderung betrifft hauptsächlich
die Familien der Juliden, Chordeumiden und Lysiopetaliden. Verhoeff theilte
die alte Gattung Julus, wie sie sich noch bei Latzel findet, nach und nach
in acht Gattungen, von denen sich fünf in Oesterreich finden, und die Gat-
tungen, insbesondere die neue Gattung Julus, in zahlreiche Untergattungen.
Eine noch grössere Umwälzung hat in der Familie der Chordeumiden statt-
gefunden. Latzel kennt innerhalb derselben nur vier Gattungen. Im Jahre
1899 publicierten Attems (5) und Verhoeff gleichzeitig Systeme dieser Fa-
milie mit acht, respective fünf Unterfamilien und gegen 30 Gattungen, von
denen der grösste Theil den österreichischen Alpeuländern angehört.
Das System der Lysiopetaliden wurde kürzlich von Verhoeff einer
Neubearbeitung unterzogen.
Von den Kronländern Oesterreichs sind, um es kurz zusammenzufassen,
seit dem Erscheinen von Latzeis Werk folgende genauer durchforscht worden:
Steiermark, Tirol, Istrien und Dalmatien. Auch aus Niederösterreich, Krain
und Böhmen ist Neues bekannt geworden. Kärnten war schon durch Latzel
genau durchsucht. Die Faunistik der übrigen Provinzen hat seither keine
namhaften Fortschritte gemacht.
Verhoeff hat im Jahre 1898 ein „Kritisches Verzeichnis der Diplopoden
Oesterreich-Ungarns" veröffentlicht, das allerdings schon für die damalige Zeit
mehrere Unrichtigkeiten enthielt; seither sind noch mehr Ergänzungen und
Berichtigungen nothwendig geworden, damit es als richtig gelten könne.
Seine „Beiträge zur Kenntnis paläarktischer Myriopoden, IV. über Diplopoden
Tirols", 1896, enthalten eine Zusammenfassung seiner Resultate und zeigen,
dass Tirol reich an Diplopoden ist. Seine Diplopodenfauna von Bosnien,
Hercegovina und Dalmatien ist in Bezug auf letzteres Land wohl nicht voll-
ständig. Wichtiger ist der darin gegebene Hinweis auf die zoogeographische
Stellung Dalmatiens. Es ist „der durch seine immergrüne Flora (Macchien)
hervorragend ausgezeichnete Küstensaum", als dessen Erweiterung sich die
ebenso wasserarme und waldarme steinige Hercegovina anschliesst. Eine
Folge dieser ähnlichen natürlichen Verhältnisse ist auch eine grosse Ueber-
einstimmung in der Diplopodenfauna, während das durch die dinarischen
Alpen von Dalmatien getrennte wasserreiche und waldreiche Bosnien viel
grössere Unterschiede in seiner Fauna zeigt.
1852. F. Schmidt, Ueber Polyclesmiis suhterraneus aus der Adelsberger Grotte. — Lai-
bacher Zeitung Nr. 146.
1854. R. Schiner, Fauna der Adelsberger, Lueger und Magdalenengrotte.— In: Schmidt,
Die Grotten und Höhlen von Adelsberg.
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Titel
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Untertitel
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Autor
- Alfred Hölder
- Herausgeber
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 14.3 x 24.0 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Naturwissenschaften Biologie