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Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
Seite - 289 -
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Geschichte der Zoologie. 289 D. Insecten. Bevor wir auf die Besprechung' jener grossen Zahl entomologischer Publicationen eingehen, welche sich nur auf einzelne Insectenordnungen be- ziehen, wollen wir hier einiger Autoren gedenken, deren Arbeiten für das ganze weite Feld der Entomologie von Bedeutung sind: Fr. Brauer, V. Gräber, J. Redtenbacher, C. v. Brunner. In seinen „Betrachtungen über die Verwandlung der Insecten im Sinne der Descendenztheorie^) gibt uns Brauer eine Uebersicht der wichtigsten Larventypen, welche bei den verschiedenen Insectenordnungen vorkommen. Ein Vergleich dieser Larvenformen führte zu dem Resultate, dass die sehr abweichenden Formen der vollkommenen Thiere oft ganz ähnlichen Larven- formen entstammen und daher in ihrer Jugend einander etwa so nahe stehen wie die Nau2)lius-Formen der verschiedenen Crustaceengruppen. Diese gemein- same Jugendform der Insecten wird mit Campodea verglichen und Campodea- stadium genannt. Die Campodea-ähiiHche Larvenform hält Brauer im Gegen- satze zu der erworbenen Raupenform für ererbt und legt ihr für die Insecten nahezu denselben Wert bei, den die Zoea für die Cruster besitzt. In dieser Arbeit spricht der Verfasser auch zum erstenmale die Ansicht aus, dass die Insecten von Campodea-ähnliGheii Formen abzuleiten seien, eine Ansicht, zu der ein Jahr später ganz unabhängig auch der Engländer Sir John Lubbock gelangte. Verfasser constatierte durch seine Untersuchungen auch die wichtige Thatsache, dass alle Insecten, welche zu einer Familie gehören, Larven haben, denen gewisse Merkmale gemeinsam sind. Es wird hervorgehoben, dass dieser Umstand auch ein wichtiger Anhaltspunkt für die Abstammung jeder Familie von einem gemeinsamen Vorfahren sei, dessen Larve sich durchAnpassung eben diese Merkmale erworben habe. Somit seien auch erworbene Larvenformen zur Feststellung der wahren Verwandtschaft höchst wichtig und in erster Linie zur Bestimmung der Familie. Für die Morphologie des Thorax und Abdomens der Insecten von grosser Bedeutung sind Brauers Untersuchungen über das Segment mediaire La- treilles,^) in denen der Verfasser zum erstenmale auf die wesentlichen Unter- schiede hinweist, die in Bezug auf das Verhältnis des ersten Hinterleibs- segmentes zum Thorax bei den einzelnen Insectenordnungen auftreten. Es war wohl eine natürliche Reaction gegen jene nachdarwinische Periode, welche aus den Lehren des grossen Engländers den falschen Schluss zog, die systematischen Kategorien seien nur Abstractionen des menschlichen Geistes, es gebe daher kein natürliches System, und alles, was Systematik heisse, sei nicht zeitgemäss, wenn sich Brauer in seinen „Systematisch- zoologischen Studien"^) dazu entschloss, für die moderne Systematik eine Lanze zu brechen. Im 1. Capitel dieses geistvollen Werkes gibt uns der Verfasser ein klares Bild von den Beziehungen zwischen System und Stammbaum und 1) ZBG. 1869, Ö. -299. 1878, S. 151.— '^) «WA.LXXXV, 188-J.— ^) Ebenda XCI, 1885. Botanik und Zoologie in Oesterrcich 1850—1900. 19
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Botanik und Zoologie in Österreich In den Jahren 1850 bis 1900
Titel
Botanik und Zoologie in Österreich
Untertitel
In den Jahren 1850 bis 1900
Autor
Alfred Hölder
Herausgeber
K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
Ort
Wien
Datum
1901
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
14.3 x 24.0 cm
Seiten
716
Kategorien
Naturwissenschaften Biologie
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