Seite - 308 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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308 A. Handlirscli.
(1883—1885) das Capitel über Rhynchoten fltr den Neaplev Jahresbericht zu-
sammenstellte.
Obwohl F. Low, der als ausübender praktischer Arzt doch nur einen
Theil seiner Zeit den Lieblingsstudien widmen konnte, die Literatur durch
kein grosses, zusammenfassendes Werk bereichert hat, sind seine durchaus
exacten Leistungen doch geeignet, ihm dauernd den Ruf eines bedeutenden
Forschers zu sichern, und alle künftigen Hemipterologen werden in seinen
Arbeiten eine reiche Quelle und eine sichere Basis für weitere Untersuchungen
finden.
Einen nicht zu unterschätzenden Antheil an Franz Löws Publicationen
hat dessen Bruder Paul Low, der, von seinen Eltern gleichfalls zum Handels-
fache bestimmt, erst in späteren Jahren (nach längerer Dienstzeit beim Militär)
Gelegenheit fand, sich der Entomologie zu widmen. Seine naturhistorischen
Kenntnisse erwarb sich Paul Low ausschliesslich durch eigene Arbeit und
Beobachtung, sowie durch den coUegialen Verkehr mit seinem Bruder und
anderen Entomologen. Seit dem Jahre 1875 führten beide Brüder gemein-
samen Haushalt, und von dieser Zeit an betrieben sie auch ihre Studien ge-
meinsam. Paul war ein äusserst gewandter Zeichner und guter Beobachter.
Alles, was aus seiner Hand hervorgieng, trug den Stempel aussergewöhnlicher
(Genauigkeit, und man braucht nur einen Blick auf eine der vielen Tafeln
zu werfen, welche Franz Löws Arbeiten (nach 1875) schmücken, um diese
Eigenschaften zu erkennen. Ausser jenen Arbeiten, die Paul mit oder für
seinen Bruder ausführte, fand er auch noch Zeit zu ganz selbständiger Thätig-
keit. So studierte und sammelte er mit grossem Eifer Cicadinen und Hetero-
pteren und publicierte über erstere Gruppe mehrere kleine Abhandlungen'),
auch sammelte er eine grosse Menge biologischer, kritischer und faunistischer
Notizen, welche zum Theile in der „Fauna von Hernstein", zum Theile in
Thens Katalog der Cicadinen veröffentlicht wurden.
Bevor wir uns nun den Arbeiten jener jüngeren Autoren zuwenden,
deren Entwicklung und Ausbildung zum Theile auf dem Verkehre mit den
oben genannten Forschern beruht, müssen wir noch Prof. Dr. Fr. Brauers,
des Altmeisters der österreichischen Entomologie, gedenken, dessen hervor-
ragende Werke allgemein entomologischen Inhaltes im Vereine mit seiner
Wirksamkeit als Lehrer auf die jüngeren Generationen einen bedeutenden
Einfluss ausüben. Brauers „Betrachtungen über die Verwandlung der In-
secten im Sinne der Descendenztheorie" (1869, dann seine „Systematisch-
zoologischen Studien" (1885) und „Ansichten über die paläozoischen Insecten
und deren Deutung" (1886) sind so allgemein bekannt, dass es genügt, die-
selben hier bloss zu erwähnen, umsomehr als diese Werke ja in anderen Ca-
piteln ausführlicher besprochen werden.
Von den jüngeren Generationen der Forscher wendete sich Dr. Ema-
nuel Witlaczil (geb. 1858 zu Vasallya in Ungarn, jetzt Professor an der
Lehrerbildungsanstalt in Graz), nachdem er seine Ausbildung als Schüler
Claus' am zoologischen Institute der Wiener Universität erhalten, natur-
1; WEZ. I, 1882, S. üü, II, 1883, ö. 15, 37, 57, 147 uad ZBG.XXXV, 1885, S. 343.
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Titel
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Untertitel
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Autor
- Alfred Hölder
- Herausgeber
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 14.3 x 24.0 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Naturwissenschaften Biologie