Seite - 323 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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Geschichte der Zoologie. 323
Das beigegebene Porträt ist nach einer wenige Monate vor seinem Tode
im Atelier Sz6kely gemachten photographischen Aufnahme hergestellt.
Neben Julius Lederer wurde derName keines österreichischen Lepido-
pterologen auch in weiteren Kreisen besser bekannt als jener des hochver-
dienten Bürgermeisters von Wien und nachmaligen Landmarschallstellvertreters
von Niederösterreich: Dr. Cajetan Freiherrn v. Felder. Geboren am 19. Sep-
tember 1814 in Wien, entwickelte Felder schon frühzeitig ein hervorragen-
des Sammeltalent, welches sich nicht bloss auf Insecten verschiedener Ord-
nungen, sondern namentlich auch auf antiquarische Bücher und Kunstschätze
erstreckte. Durch die besondere Vorliebe seines Sohnes Rudolf (geb. 2. Mai
1842) für exotische Lepidopteren, wodurch Felder, trotz seiner starken In-
anspruchnahme im Dienste der Oeflfentlichkeit, auch auf dem Gebiete der
Lepidopterologie — meist in Gemeinschaft mit seinem Sohne — publicistisch
thätig wurde, traten die übrigen Sammlungen in den Hintergrund.
Felder vermehrte nunmehr rasch seine Lepidopterensammlung, die gar
bald einen eigenen Präparator erforderte. Der Zug zum Grossen in Felders
genialemWesen trat auch in seinerSammlung deutlich zutage. Anlässlich seiner
zahlreichen Reisen ins Ausland machte Felder bei Auctionen oft sehr wert-
volle Acquisitionen; auch lieferten ihm zahlreiche Verbindungen, die er im Aus-
lande unterhielt, wobei ihm sein bekanntes polyglottes Talent trefflich zustatten
kam, ein reiches Material. So kamen unter anderen die wissenschaftlichen
Resultate der Reisen und AufSammlungen Dr. Doleschalls von Amboina,
Dr. Stolitzkas aus dem Himalaja, Dr. Sempers von den Philippinen, Baron
Ransonnets aus Vorderindien, v. Hedemanns aus Mexico ihm zur Bearbei-
tung zu (vgl. den nächsten Abschnitt unter den faunistischen Arbeiten). Mit
Ende der Sechzigerjahre hatte Felders Sammlung bereits einen Weltruf
erlangt.
Die Publicationen F e 1d e r s und seines Sohnes waren meist Neu-
beschreibungen von Arten in zwar correcter lateinischer Sprache, die aber
häufig durch den übermässig langen Periodenbau, durch den Mangel com-
parativer Angaben, dagegen durch Aufnahme unwesentlicher oder variabler
Merkmale auch für den Fachmann schwer verständlich sind. Dazu kam noch,
dass Felder zu viel Gewicht auf den (oft sehr inconstanten) Flügelschnitt
legte und häufig nur durch diesen nahestehende Formen trennen zu können
glaubte.
Auf rein systematischem Gebiet sind — abgesehen von der Autorschaft
einer ganzen Reihe gutbegründeter Gattungen — seine diagnostische Behand-
lung sämmtlicher damals bekannt gewesener Nymphalidengattungen anlässlich
der Beschreibung von Helcyra Chionippe^) und eine sehr wertvolle Revision
der Papilioniden ^) hervorzuheben.
Von fortschrittlicher Bedeutung für die Systematik war auch die zuerst
von Felder durchgeführte Restringierung der Familie der Heliconiiden auf
jene der echten Heliconier (Acraeid-Heliconier Bates), wogegen er die Danaid-
1) Bd.XXVn d. Verh. d. K. Leop.-Carol. Akad. d. Naturf., Jena 1861, mit Taf.— -) Species
Lepid. hucusque descriptae, ZBG. 1864.
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Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Titel
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Untertitel
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Autor
- Alfred Hölder
- Herausgeber
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Ort
- Wien
- Datum
- 1901
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 14.3 x 24.0 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Naturwissenschaften Biologie