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104 WarderCoronavirus-Lockdownnotwendig?
auch in der Schweiz und inDeutschland zunächst vonden für den Infekti-
onsschutz verantwortlichenBehördennicht so ernst genommen,wie es aus
nachträglicherSichtgebotenerschienenhätte.InderSchweizhieltmaneine
Influenza-Ausbreitung fürwahrscheinlich und sah sich dafür gut gerüstet,
wiedaszuständigeBundesamtfürGesundheitBAGundderGesundheitsmi-
nister des Landesmitteilten [44]. InDeutschland sahman es lange für ein
chinesischesProbleman,das so schnell keineGefahrbedeutenwürde [340].
ZudemhattemanscheinbardenerstenInfektionsweginderbayerischenAu-
tozulieferfirmaschnell unterKontrolle gebracht,dieAusbreitung schienbe-
herrschbarzusein.AnderslautendeWarnungenausderWissenschaftwurden
lange ignoriert.
Warumalso reagiertendieBehördennicht so,wie es aus späterer Sicht
angezeigt erscheint? Drei Gründe erscheinen hier wesentlich zu sein: Zum
ersten hatteman nahezu überall im globalenNorden bezüglich einer Pan-
demiemit einer Influenza gerechnet. Eine Influenza hat aber andere bio-
logischeEigenschaften, epidemiologischeFolgenundBekämpfungsnotwen-
digkeiten.DasGrippevirusverbreitet sichwesentlich schneller,daher istdie
ChanceaufKontaktnachverfolgung,IsolationundQuarantänedeutlichgerin-
ger [341: 129].NurwenigeLänder inSüdostasienhattenandereSzenarien in
derPlanungdurchgespieltundsichentsprechendvorbereitet–mitdemEr-
folgvonnurwenigenInfektionenundTodesfällen,wie inKapitel6nochaus-
geführtwird.ZumzweitenhatmaneinesolchdramatischeEntwicklungvon
Fallzahlennicht fürmöglichgehalten–erneutmachtesichdasfundamenta-
leUnverständnisüberdasRisikopotenzial vonEpidemienunbekannterHer-
kunft bemerkbar.EinMitgliedderbayerischenLandesregierung ließ sich in
derSüddeutschenZeitung folgendermaßenzitieren:»Ichhättemirnieträumen
lassen,dasswir inBayernderart überrolltwerden.« [340: 11] InderSchweiz
haben die zuständigenVerantwortlichen erst nach einemBesuch in Italien
im Februar realisiert, dass die Situation dort außer Kontrolle geraten war
unddassdiesauchimeigenenLandpassierenkonnte[44].Zumdrittenhätte
aus Sicht des politischen Systems in derÖffentlichkeit und in der Bevölke-
rungkeinVerständnis für frühedrastischeRestriktionenhergestelltwerden
können.Ein zentralesVersäumnisderPandemieplanungund -vorbereitung
warderEinbezugderMedienundderBevölkerung.Nochweit imVerlaufder
Pandemie, etwa bei der Frage, ob Fußballspielemit TausendenZuschauen-
den stattfinden dürfen, so die Süddeutsche Zeitung »…klammern sich Bürger
wiePolitiker an jedesArgument,umweiterlebenzukönnen,wie gewohnt.«
[340: 13]
War der Coronavirus-Lockdown notwendig?
Versuch einer wissenschaftlichen Antwort
- Titel
- War der Coronavirus-Lockdown notwendig?
- Untertitel
- Versuch einer wissenschaftlichen Antwort
- Autor
- Dirk Richter
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefelfd
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5545-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 192
- Schlagwörter
- Corona, Pandemie, Covid, Corona, Lockdown
- Kategorien
- Coronavirus
- Medien
- Medizin