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6. Lockdown–Elemente,Wirkungen,Alternativen 133
haltenunddasGesundheitssystemvordemKollapszubewahren.Allerdings
seiendierechtlichenGrundlagenfürLockdownsundFlächen-Quarantäne in
Schweden nicht gegeben. Daher sei es kaum andersmöglich gewesen, die
Pandemiebekämpfungsozukonzipierenwiegeschehen.EineweitereDiffe-
renzzuanderenLändern ist die relativniedrigeTestrate indemLand [433].
ImVergleichzuskandinavischenNachbarnsindbisMitteAugust2020deut-
lichwenigerTests aufdasCoronavirusdurchgeführtworden, etwanurhalb
sovielwie inNorwegenundnuretwaeinFünftel vondemAusmaßinDäne-
mark.DänemarkundNorwegenhattenwesentlichstrengereMaßnahmenin
SachenLockdowneingeführtalsSchweden.AusdiesemGrund ist inSchwe-
deneineweitausgrößereDunkelziffer infizierterPersonenzuerwartenals in
denNachbarländernundSchwedensDatenlagewarüberdengesamtenPan-
demiezeitraumunsichererals invielenanderenRegionen.DiegesamteStra-
tegie legte verschiedentlich die Vermutung nahe, Schweden habe entgegen
offiziellerBekundungendochauf eineHerdenimmunität gesetzt.Allerdings
warendieentsprechendenStudienzur Immunität inderBevölkerungnie in
denstatistischenRegionenangekommenwieesnötiggewesenwäreundwie
auch inTeilenSchwedenserwartetwordenwar [434].
Ein Artikel im deutschenNachrichtenmagazinDer Spiegel kam zu dem
Schluss, »Schweden hatmehr Infektionen zugelassen als seineNachbarn–
und entsprechendmehr Tote.« [435] In der Tat hatte das Landmit 57,0 To-
desfällen auf 100.000EinwohnerEndeAugust 2020eine ähnlichhoheMor-
talität wie Italien (58,7), Brasilien (58,9) oder die Vereinigten Staaten (56,1)
[424].DienordischenNachbarnDänemark (10,8),Norwegen (5,0)undFinn-
land(6,1)hatteneineerheblichgeringereSterblichkeitaufzuweisen.Dabeiist
es angesichtsderBevölkerungsdichteundden relativ vergleichbarenSozial-
undGesundheitssystemen in Skandinavien eher angebracht, die Nachbarn
fürderartigeVergleicheheranzuziehenals etwa ItalienoderdieVereinigten
Staaten[436].EinUnterschiedbestehtallerdingsinderetwasgeringerenAn-
zahl von Intensivbetten. Das schwedische Gesundheitssystem hatte ein et-
wasgrößeresRisiko,mit einemgroßenInfektionsausbruchnichtzurechtzu
kommen.EszeigtesichimVerlaufderPandemiejedoch,dassvieleMenschen
nichtaufdenIntensivstationenstarben,sondernaußerhalbvonKlinikenbzw.
Spitälern oder aufNormalstationen [437].Dies ist einHinweis für denwe-
sentlichenFaktor inder schwedischenMortalität–wie auchoffiziell immer
anerkannt–,nämlichdie rechthoheTodesrate indenAlters-undPflegehei-
men.Allerdingsunterschied sichdieseProblematiknicht elementar vonder
inanderenLänderndesglobalenNordens.
War der Coronavirus-Lockdown notwendig?
Versuch einer wissenschaftlichen Antwort
- Titel
- War der Coronavirus-Lockdown notwendig?
- Untertitel
- Versuch einer wissenschaftlichen Antwort
- Autor
- Dirk Richter
- Verlag
- transcript Verlag
- Ort
- Bielefelfd
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5545-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 192
- Schlagwörter
- Corona, Pandemie, Covid, Corona, Lockdown
- Kategorien
- Coronavirus
- Medien
- Medizin