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Zudem wird die Verbindung zwischen einem energieintensiven Lebens-
stil als Ursache und Wohlfahrtsverlusten als Folgen kaum registriert, weil
sich viele Folgewirkungen der Erderwärmung mit einer großen zeitlichen
Verzögerung und oft auch räumlich verschoben ereignen. Besonders stark
werden die Belastungen in den südlichen Ländern zu spüren sein. Infolge
dieses Auseinanderfallens von ursächlicher Handlung und erlebter Wir-
kung ergibt sich gerade in der westlichen Welt erst ganz allmählich eine
Betroffenheit.
Akteure und Helden
Die Corona-Pandemie und die Klimakrise unterscheiden sich ferner mit
Blick auf die maßgeblichen Akteure, ihre Handlungsmöglichkeiten und
ihre öffentliche Anerkennung. Um das eingangs genannte Denkschema
des Theaters aufzugreifen: Den Akteuren stehen andere Rollen zur Verfü-
gung. Näher beleuchtet werden der Staat als organisationaler oder institu-
tioneller Akteur, Politiker mit Entscheidungskompetenz sowie Wissen-
schaftler.
Die Helden der Corona-Pandemie
Auffallend in der Corona-Krise ist die Wiederentdeckung des
(National-)Staats als Hort der Stabilität. Ihm allein wird zugetraut, die Da-
seinsvorsorge zu sichern, etwa medizinische Schutzausrüstung zu beschaf-
fen oder Soldaten und Zivildiener abzustellen, die bei Behörden oder Un-
ternehmen aushelfen.10
Die Regierungspolitik zeigt sich in dieser Situation als Biopolitik im
Sinn der von Foucault analysierten modernen Gouvernementalität. Sie
zielt auf die gesamte Bevölkerung, wobei die Bevölkerung unter der Per-
spektive biologischer Prozesse, in diesem Fall unter der Perspektive von
Ansteckungsprozessen, regiert wird. Die wesentlichen Instrumente des
staatlichen Handelns sind dabei Sicherheitsdispositive: Ansteckungsmög-
lichkeiten unterbinden bzw. Infektionsketten erfassen und die Betroffenen
unter Quarantäne stellen. Dabei werden die gesellschaftlichen Verhältnisse
so gestaltet, dass sich die Individuen im Großen und Ganzen eigenständig
3.
3.1
10 Vgl. https://www.bundesheer.at/archiv/a2020/corona/artikel.php?id=5507
[07.05.2020].
Jochen Ostheimer
186
https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik