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Zweieiige Zwillinge.
Corona und die Umweltkrise
Michael Rosenberger
Auf den ersten Blick scheint es eine gute Nachricht: Auf Grund der
Corona-Krise und des wochenlangen Shutdown wird Deutschland seine
zugesagten Klimaziele für 2020 einhalten. Minus 40 Prozent gegenüber
1990, d. h. 751 statt 1252 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Aber so
schön es auch sein mag, wenn man verkünden kann, sein Ziel erreicht zu
haben, abhaken kann man die große Herausforderung Klimaschutz damit
noch lange nicht. Außerdem verfehlen viele andere Länder, unter ihnen
Österreich, ihre Klimaschutzziele trotz Corona krachend. 2018 wurden 79
Millionen Tonnen CO2-Äquivalente emittiert, eine halbe Million Tonnen
mehr als 1990 – anstatt wie zugesagt bis 2020 auf 47,8 Millionen Tonnen
herunterzukommen.
Hängen Corona-Krise und Klimakrise überhaupt zusammen? Und
wenn ja, in welcher Hinsicht? Ein genaueres Hinschauen zeigt, dass das
Bild komplex ist. In einem Satz lässt es sich nicht zusammenfassen. Zu-
nächst wird daher der angebliche Entlastungseffekt des Corona-Shutdowns
für die Umwelt näher bestimmt. Anschließend sollen Gemeinsamkeiten
und Verbindungen zwischen Corona-Krise und Klimakrise analysiert wer-
den. Auf diesem Hintergrund kann gefragt werden, wie weit die während
der Corona-Krise neu entdeckten Potenziale moderner Gesellschaften auf
die Lösung der Klimakrise übertragbar sind. Eine Rückbesinnung auf
mehrere Jahrzehnte der Untätigkeit beim Klimaschutz bereitet schließlich
den Boden für die Frage nach wirksamen Präventionsstrategien für beide
Krisen.
Atmet die Umwelt auf?
Beeindruckend waren in den ersten Wochen der Corona-Krise Satelliten-
bilder der NASA, der National Aeronautics and Space Administration der
Vereinigten Staaten. Sie zeigten, dass der Stickstoffdioxid-Ausstoß bei-
spielsweise im chinesischen Industrie-Dreieck zwischen Beijing, Lanzhou
und Shanghai im Februar 2020 fast auf null zurückgegangen ist. Der Stein-
1.
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik