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kohleverbrauch ganz Chinas hat sich in dieser Zeit halbiert. Sechs Wochen
später hat die NASA von europäischen Ländern wie Frankreich, Spanien,
Italien, Österreich und Deutschland ähnliche Bilder gemacht. Überall, wo
auf Grund des Coronavirus ein großer Teil des wirtschaftlichen Lebens
und des Verkehrs heruntergefahren wurde, kam es innerhalb weniger Tage
zu einer enormen Verbesserung der Luftqualität.
Ähnliche Dynamiken ließen sich auch für andere Parameter beobach-
ten: Der Himmel war mit einem Mal frei von den Kondensstreifen der
Flugzeuge – eine einzige blaue Fläche bis zum Horizont. Außerhalb der
Ballungszentren nahm der Verkehrslärm auf ein Minimum ab – Anwoh-
nerInnen konnten die ungewohnte Stille genießen. Und schließlich er-
oberten sich viele Wildtiere Lebensräume zurück, die ihnen der Mensch
durch Siedlungen und Verkehrswege genommen hatte – und zwar nicht
nur die sogenannten Kulturfolger, die gezielt die Nähe des Menschen su-
chen, weil sie von ihr profitieren, wie beispielsweise Haustauben, Raben-
krähen, Feldhasen, Gartenrotschwänze und Stubenfliegen. Nein, jetzt wa-
ren auf einmal Hirsche mitten in London sowie in Städten Sri Lankas und
Japans zu sehen, Kojoten in San Francisco, Wildschweine in Haifa, ein Pu-
ma in Santiago de Chile, Delfine nur wenige Meter von der Hafenmole in
Istanbul entfernt. Die Videos sind nicht mehr zählbar, die auf YouTube
solche neuen Begegnungen zwischen Mensch und Tier dokumentieren.
So schön es ist zu sehen, wie schnell sich manche Bereiche der Natur er-
holen, wenn der Mensch verschwunden ist, so kurzsichtig wäre es jedoch,
daraus irgendeine längerfristige Folgerung zu ziehen. Im Gegenteil: Es
geht nur um eine winzige Atempause. So schreibt das österreichische Um-
weltbundesamt in einer Pressemeldung vom 25.03.2020: „Die Maßnah-
men zur Bekämpfung des Corona-Virus führen zu deutlichen Änderungen
im Ausstoß von Schadstoffen, zum Beispiel durch den geringeren Verkehr.
Erste Auswertungen des Umweltbundesamts zeigen einen Rückgang der
Schadstoffbelastung an verkehrsnahen und städtischen Messstationen. Aus-
wirkungen auf die Treibhausgase (z. B. Kohlendioxid) in höheren Schich-
ten der Atmosphäre, wie am Sonnblick-Observatorium der ZAMG, sind
aber, wenn überhaupt, frühestens in ein paar Monaten festzustellen.“1 Und
da schaut es eher so aus, dass die CO2-Konzentration in den höheren Luft-
schichten weiter steigt. So „wurden am Observatorium Mauna Loa in Ha-
waii neue CO2-Rekorde aufgestellt. Den Aufzeichnungen zufolge erreichte
die durchschnittliche CO2-Wochenkonzentration in der ersten Mai-Woche
einen absoluten Höchstwert. Mit 3. Mai gibt es zudem einen neuen Tages-
1 Umweltbundesamt 2020.
Michael Rosenberger
200
https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik