Seite - 204 - in Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
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strecken – immer öfter kommt es in Mitteleuropa zum wetterbedingten
Verkehrsstillstand mit allen Folgeschäden, die er mit sich bringt. Nicht
ganz zufällig ist der größte Rückversicherer, die Munich Re, einer der
größten Kämpfer für mehr Klimaschutz. Denn die versicherten Schäden
der Klimaerwärmung sind nicht mehr berechenbar und immer schwerer
bezahlbar – von den nicht versicherten Schäden ganz zu schweigen.
Auch wenn wir in den letzten Jahrhunderten das Gegenteil erstrebt und
geglaubt haben: Die Natur ist stärker als die Menschheit. Ein winziges Vi-
rus, mit bloßem Auge nicht zu sehen, zwingt eine hochtechnisierte Welt
in die Knie und sorgt für fast vollständigen Stillstand. Ein paar Moleküle
Treibhausgas pro eine Million Teilchen (parts per million), scheinbar ein zu
vernachlässigender Prozentsatz, lassen die mittlere Temperatur der Erde
steigen und steigen und steigen. Die Menschheit steht vor der Herausfor-
derung, ihre Ohnmacht, ihr unaufhebbares Eingebettet-Sein in die Natur
und ihre Abhängigkeit von ihr einzugestehen und anzuerkennen. Es wird
mit anderen Worten Zeit für eine neue Selbstbescheidung und, ja, auch
Demut – Demut im Sinne der lateinischen humilitas, des Wissens, ein ho-
mo, wörtlich übersetzt ein Erdling, zu sein: vom Humus genommen, vom
Humus und seinen Früchten lebend und zum Humus zurückkehrend.
Die neue Entdeckung: Wir können mehr, als wir dachten!
Die Corona-Krise hat uns aber nicht nur unsere Grenzen, sondern auch
unsere Möglichkeiten aufgezeigt. Zumindest die wohlhabenden Länder
haben gigantische Finanzprogramme aufgelegt und mutige politische
Schritte gesetzt. Die Zustimmung zu solchen Programmen war fast überall
überwältigend hoch. Man muss sich die Ausmaße der Finanzhilfen klar-
machen: Die Bundesrepublik Deutschland hat allein bis zum 23.4.2020
haushaltswirksame Maßnahmen von insgesamt 353,3 Milliarden Euro und
Kreditgarantien von insgesamt 819,7 Milliarden Euro beschlossen. Die Re-
publik Österreich hat bis zum 1.5.2020 haushaltswirksame Maßnahmen
von insgesamt 38 Milliarden Euro bewilligt. Und die Europäische Union
hat zum selben Zeitpunkt bereits 330 Milliarden Euro Fördermittel zur Be-
wältigung der Corona-Krise und 100 Milliarden Euro Zuschuss zum Kurz-
arbeitergeld der Mitgliedsstaaten bereitgestellt. Dazu kommen Kredite von
240 Milliarden Euro für Mitgliedsländer im Europäischen Stabilitätsme-
chanismus (ESM) und von 200 Milliarden Euro der Europäischen Invest-
ment Bank (EIB) für Unternehmen. Nach Ende der Pandemie plant die
Europäische Kommission Wiederaufbauhilfen von 1000 Milliarden Euro,
3.
Michael Rosenberger
204
https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik