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schen Herstellerländern bekommen konnte. Folge wäre eine erhebliche
Verteuerung der Medikamente, weil in Europa viel höhere Sozial- und
Umweltstandards gelten. Die Bereitstellung von mehr Intensivbetten und
Beatmungsplätzen in den Krankenhäusern samt dem dazu nötigen Perso-
nal – nur für den Fall des Falles. Auch das wäre nicht zum Nulltarif zu ha-
ben.
Spätestens an diesem Punkt erinnert die Vor-Corona-Zeit an die Klima-
erwärmungs-Diskurse. Die Wissenschaft ist sich fast einstimmig einig, dass
die Katastrophe kommen wird. Aber eben nicht morgen, sondern in ein
paar Jahren oder Jahrzehnten. Die (westeuropäische) Öffentlichkeit weiß
darum und glaubt es auch, ebenso die Politik. Doch geschehen ist von
1990 bis 2020 buchstäblich: Nichts. Die emittierte Treibhausgasmenge ist
in Westeuropa incl. Westdeutschland praktisch gleich geblieben. In Osteu-
ropa incl. Ostdeutschland ist sie gefallen – weil das Referenzjahr immer
1989 ist, also das Jahr des Zusammenbruchs der kommunistischen Regime
und ihrer noch umweltschädlicheren Industrien. Geschehen ist also trotz
besten Wissens nichts – und selbst wenn die VirologInnen so laut ge-
schrien hätten wie die KlimaforscherInnen, wäre das auch bezüglich einer
Pandemie so gewesen. Denn es hätte alle BürgerInnen erhebliche Einbu-
Ăźen ihres Konsums und Lebensstandards gekostet. Da stecken sie doch lie-
ber den Kopf in den Sand und hoffen, dass es schon nicht so schlimm
wird.
Das Problem im Blick auf die Pandemie sehen wir jetzt. Die Kosten zur
Bewältigung der Krise werden um ein Vielfaches höher liegen als jene Kos-
ten, die man bei rechtzeitigem Handeln zur ihrer Verhinderung gebraucht
hätte. Alle Personen und Institutionen der westlichen Demokratien haben
es mit zu verantworten, dass es jetzt sehr teuer wird. – Bezogen auf die Kli-
makrise hat das im Jahr 2007 der „Stern-Report“ vorausgesagt5, in dem der
frühere Chefökonom der Weltbank, Nicholas Stern, warnte: Mit jedem
Jahr, das die Staaten der Erde mit einschneidenden KlimaschutzmaĂźnah-
men warten, werden diese teurer, weil sie ihren Verbrauch dann umso
schneller und drastischer einschränken müssen. Stern berechnete die Kos-
ten zur Vermeidung einer Tonne CO2 damals auf etwa 25 US-$, die Schä-
den im Falle von business as usual hingegen auf 85 US-$ je Tonne CO2. Bei
sofortigem Handeln im Jahr 2007 hätte der Klimaschutz laut Stern rund
ein Prozent des Weltsozialprodukts gekostet. Bei business as usual hinge-
gen, und das hat die Völkergemeinschaft bislang praktiziert, fällt das Welt-
sozialprodukt langfristig um etwa 20 Prozent niedriger aus. Der Treibhaus-
5 Nicholas Stern 2007. Zweieiige Zwillinge. Corona und die Umweltkrise
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, MenschenwĂĽrde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik