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effekt richtet also umso mehr Schaden an, je länger man ihm tatenlos zu-
schaut.
Um aus der Vergangenheit zu lernen, muss daher zuerst dieses Hemm-
nis überwunden werden: Das menschliche Streben nach immer mehr, das
sich für Warnungen der Fachleute taub stellt. Dieses Streben in die Schran-
ken zu weisen, ist eine Herausforderung für alle. An der Politik liegt es, da-
für die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. – Auf die Wissenschaft-
lerInnen zu hören – das ist seit eineinhalb Jahren die Botschaft der Fridays
for Future. Das Coronavirus ist ein massiver Warnschuss, damit endlich
ernst zu machen. Aber ohne die Bereitschaft, materielle Ansprüche zu be-
schränken, wird es nicht gehen.
Präventiver Pandemie- und Klimaschutz nach Corona
Was können wir also aus der Corona-Krise lernen, um zukünftig eine bes-
sere Prävention gegen Pandemien und Klimaerwärmung aufzustellen?
Schon wenige Tage nach Beginn der Krise wurden in Teilen der Wirtschaft
Stimmen laut, die forderten, unmittelbar nach Überwindung der Pande-
mie Umweltstandards zu reduzieren oder zumindest nicht weiter zu ver-
schärfen sowie die bereits beschlossenen oder international zugesagten
Termine für das Erreichen bestimmter Umweltziele auf spätere Zeitpunkte
hinauszuschieben. Insbesondere der von der Europäischen Kommission
erst kurz zuvor angekündigte „Green Deal“ müsse vorerst auf Eis gelegt
werden. Denn zwei Herausforderungen auf einmal könne die Wirtschaft
unmöglich bewältigen.
Dem gegenüber fordern viele Umweltorganisationen einen „Klima-
Corona-Generationenvertrag“ (Hans-Joachim Schellnhuber) als eine einzi-
ge Antwort auf zwei zusammenhängende Krisen. In diesem Sinne hat der
Club of Rome zusammen mit über tausend erstunterzeichnenden Wissen-
schaftlerInnen aus allen Ländern der Erde, zu denen auch der Autor dieses
Beitrags zählt, am 26.3.2020 einen „Offenen Brief an die globalen Füh-
rungspersonen – ein gesunder Planet für gesunde Menschen“ verfasst6. Fol-
gende Überlegungen adressiert der Brief an die Mächtigen der Erde: Die
Krise zeigt, wie sehr wir voneinander abhängen als eine Menschheit auf
einem Planeten. Doch ist es notwendig zu erkennen, dass es eine noch län-
gerfristige und tiefergehende Krise gibt, in die die Pandemie eingebettet
ist: Klimawandel und Verlust der Biodiversität sind wie eine Pandemie
5.
6 The Club of Rome 2020.
Michael Rosenberger
208
https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik