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Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
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de Absicherung organisiert werden. Dies ist kein Werk der Wohltätig- keit, sondern ein Werk der Vorsorge, kein individuelles, sondern ein universelles Werk [...].55 Léon Bourgeois war mit diesen Ideen sozialer Verpflichtung und Solidari- tät zu jener Zeit nicht allein. Einige Jahre zuvor veröffentlichte der öster- reichische Soziologe Rudolf Goldscheid ein System der „Menschenökono- mie“56, das die „unerhörte Menschenvergeudung“ beklagte, die eintrete, wenn das „Menschenmaterial“ nicht nach einer rationalen, d.  h. wirtschaft- lich optimalen Verwaltung und Sorge behandelt werde. Goldscheid entwirft eine gleichermaßen sozialistische wie biopoliti- sche Gouvernementalität, welche nicht dem Markt-, sondern dem Mu- tualitätsprinzip gehorcht und welche die ökonomische Rationalisie- rung des Lebens auf präventive Pflege, nachhaltige Nutzung und wechselseitige Absicherung der menschlichen Ressourcen aufbaut. Fortschritt und Solidarität sind ihre Maximen, Akkumulation des or- ganischen Kapitals ist ihr Bewegungsprinzip.57 Wenn Goldscheid die „Menschenvergeudung“ beklagt, so ist es ein Angriff auf die liberale politische Rationalität, denn, wie Ewald zusammenfasst, „[d]er Vorsorgestaat wirft dem liberalen Staat vor, ein schlechter Verwerter von Leben zu sein“58. Der (wirtschafts-)liberale Staat mit seinem Konkur- renzprinzip und Marktmechanismus realisiert jedoch die komplementäre biopolitische Steigerungstechnik der Elimination durch Wettbewerb, und auch diese folgt u.  a. naturwissenschaftlich-hygienischen Doktrinen. „Sterbenlassen“: Biopolitischer Rassismus infolge von pandemischen Bedrohungen, z.  B. durch Verzicht auf epidemiologisch indizierte Infektionsprophylaxe Wenn das oberste Ziel der biopolitischen Förderung und Sorge die Steige- rung des Produktivitätsniveaus und des Gesundheitsniveaus des Sozialkör- pers ist, was soll dann mit jenen geschehen, die nicht effizient förderbar sind oder sich der Sorge entziehen und damit in letzter Konsequenz das wirtschaftliche und gesundheitliche Niveau des Sozialkörpers, die allge- 3.2 55 L. Bourgeois, zit. n. Ewald, Vorsorgestaat, 531. 56 Vgl. Goldscheid, Entwicklungswerttheorie. 57 Bröckling, Hirten, 331. 58 Ewald, Vorsorgestaat, 488. Willibald J. Stronegger 228 https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08 Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Titel
Die Corona-Pandemie
Untertitel
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Autoren
Wolfgang Kröll
Johann Platzer
Hans-Walter Ruckenbauer
Herausgeber
Walter Schaupp
Verlag
Nomos Verlagsgesellschaft
Ort
Baden-Baden
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-7489-1058-9
Abmessungen
15.3 x 22.7 cm
Seiten
448
Schlagwörter
Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
Kategorien
Coronavirus
Medizin
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