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Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
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Gesundheit versus Tod Mit einem Schlag hat die Pandemie die Themen Sterben und Tod aus ihrer kulturellen Tabuisierung und Verdrängung in westlichen Gesell- schaften an die Oberfläche katapultiert. Zwar ist der Tod dauerpräsent in Kino und Film, in den Medien, in den Verkehrs- und Grippestatistiken oder an den Grenzen Europas, wo jährlich tausende Menschen ertrinken. Doch dies sind die Tode der abstrakten Anderen, die die Mehrheit weitge- hend unberührt lassen. Jetzt ist der Tod in die persönliche Nähe gerückt – nicht zuletzt durch die Angstbilder aus Italien, Spanien und Lateinamerika und eine Politik der Angst („Bald wird jeder jemanden kennen, der an Corona gestorben ist.“). Unsere Gesellschaft ist schlecht auf Szenarien kollektiven Leidens und Sterbens vorbereitet. Das Leben soll mittels Gesundheitsoptimierung, Me- dizin und Technik verlängert, d.  h., der Tod soll so lange wie möglich hin- ausgeschoben werden. Millionen Euros werden in die Intensivmedizin am Ende des Lebens gepumpt. Jeder Tod gilt der Medizin als Versagen. Vielen gilt ein von Krankheit, Leid und Tod gezeichnetes Leben als nicht mehr lebenswert. Im Unterschied zu anderen europäischen Ländern ist der akti- ven Sterbehilfe in Österreich rechtlich noch ein Riegel vorgeschoben, aber die Stimmung könnte mit fortschreitender Alterung der Gesellschaft kip- pen. Gestorben wird vielfach einsam, Tote werden aus der öffentlichen Wahrnehmung entsorgt. Der Tod gilt als ungehörig und schmutzig und wird ausgebürgert.9 Hinter diesen Entwicklungen lassen sich jahrzehntelange Verschiebun- gen in den Werthaltungen beobachten, die immanenten Werten einen im- mer höheren Wert geben. So stieg in Österreich die Zustimmung zu dem Satz „Für mich trägt das Leben seinen Sinn in sich selbst“ von 74 Prozent (1999) auf 82 Prozent (2018). Der Überzeugung, dass „das Leben letztlich durch die Gesetze der Natur bestimmt“ wird, stimmten 1999 76 Prozent zu, 2018 waren es 80 Prozent.10 Demgegenüber haben religiöse Weltdeu- tungen seit Jahrzehnten an Bedeutung verloren. An einen Gott, der sich „mit jedem Menschen persönlich befasst“, glauben 44 Prozent der Befrag- ten; selbst unter den Katholiken stimmen hier nur mehr 47 Prozent zu. 47 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher sind der Ansicht, dass 2.2 9 Siehe Ariès, Geschichte des Todes. Wohl gibt es die Hospizbewegung, aber jene Unternehmungen, die sich für ein humanes Sterben engagieren, sind keinesfalls flächendeckend von Relevanz. 10 Vgl. Polak/Seewann, Religion als Distinktion, 115. Regina Polak 242 https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08 Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Titel
Die Corona-Pandemie
Untertitel
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Autoren
Wolfgang Kröll
Johann Platzer
Hans-Walter Ruckenbauer
Herausgeber
Walter Schaupp
Verlag
Nomos Verlagsgesellschaft
Ort
Baden-Baden
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-7489-1058-9
Abmessungen
15.3 x 22.7 cm
Seiten
448
Schlagwörter
Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
Kategorien
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