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Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
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zeigt sich auch in der Sprache, wenn ohne Zögern und Nachdenklichkeit vom „Hochfahren“25 all unserer Lebensbereiche – Schulen, Gasthäuser, Unternehmen – gesprochen wird. Der Philologe Viktor Klemperer hat ein- drücklich gezeigt, wie die metaphorische Übertragung technischer Begriffe auf menschliche Vollzüge diese mechanisierte und zur Praxis der Ent- menschlichung des Nationalsozialismus gehörte.26 Selbstverständlich möchte ich mit diesen Überlegungen weder die Na- turwissenschaft, die Medizin noch die Technik desavouieren. Komplexe Systeme wie moderne Gesellschaften sind aus Gründen der Verantwor- tung für ihre Bevölkerung auf deren Expertise angewiesen. Sie können das Leben erleichtern. Mir ist auch bewusst, dass es auch unter Menschen, die auf diese Lösungen setzen, große Humanistinnen und Humanisten gibt, die tatsächlich aus dieser Krise lernen und die Gesellschaft zum Humane- ren verändern wollen und werden. Gleichwohl möchte ich aber für den Wertekontext sensibilisieren, in den Technokratie, Naturwissenschaft und Medizin heute eingebettet sind. Manchmal bin ich dann, ehrlich gesagt, froh, dass die Nationalsozialisten nicht jene systemtechnischen Kenntnisse hatten, über die wir heute verfü- gen. Wir sollten also weder die historischen und aktuellen Prägungen durch Werthaltungen unterschätzen noch die derzeit mit diesen verbundene Im- manenzfixierung. Naturwissenschaftliche Kenntnisse, medizinisches Wis- sen und technokratische Methoden bedürfen der Einbettung in menschli- che Prozesse des Transzendierens der Gegebenheiten, mit denen sie zu tun haben. Kurz: Sie müssen reflektiert und bedacht werden. Dazu bedarf es bei der Suche nach Lösungen aus der Covid-19-Krise auch der Teilhabe jener Lebens- und Gesellschaftsbereiche, die derzeit als Lösungspartner nicht einmal in Betracht gezogen werden: Kultur, Kunst, Geisteswissenschaft, Philosophie, Ethik, Religion. Der Umgang mit ihnen ist kein gutes Zeichen. Warum holt man sie nicht aktiv mit ins Boot bei der Suche nach einem Leben in und mit der Krise? Derzeit rechne ich damit, dass es massive Kämpfe um die Deutung der Krise und die Mittel ihrer Lösung geben wird. In einer Demokratie ist dies auch notwendig und sinnvoll. Auf einer Wertebasis freilich, die der Sicher- heit vor der Freiheit Vorrang gibt, Gesundheit als absoluten Wert und au- toritäre Mittel als geeignete politische Maßnahmen betrachtet, bin ich mit Blick auf die Zukunft eher skeptisch. 25 Polak, „Hochfahren“. 26 Vgl. Klemperer, LTI. Regina Polak 252 https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08 Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Titel
Die Corona-Pandemie
Untertitel
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Autoren
Wolfgang Kröll
Johann Platzer
Hans-Walter Ruckenbauer
Herausgeber
Walter Schaupp
Verlag
Nomos Verlagsgesellschaft
Ort
Baden-Baden
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-7489-1058-9
Abmessungen
15.3 x 22.7 cm
Seiten
448
Schlagwörter
Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
Kategorien
Coronavirus
Medizin
Recht und Politik
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