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Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
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en Symptome sehr problematisch werden. Ungerechte Behandlung im Heim oder die Unterstellung, die eigenen Kinder wollten oder dürften sie nicht mehr besuchen, können hier zum Vorwurf werden und große Unru- he hervorrufen. Selbst wenn unter diesen Umständen möglichst gute Lö- sungen gefunden wurden, wie etwa ein Besuch mit Abstand über den Gar- tenzaun oder vom Balkon, fehlten Berührungen und Umarmungen. Pflegende Angehörige, die in diesen Krisenzeiten zu Hause einen Men- schen mit Demenz betreuen, sind besonders belastet. Wie oben erläutert, ist es für sie besonders wichtig, auch außerhalb des Hauses anderen Tätig- keiten mit kognitiv gesunden Menschen nachgehen zu können. Fällt dies weg, sind der Druck und die Belastung enorm. Die Möglichkeit, sich über digitale Medien auszutauschen, ist eine Zwischenlösung, aber kein adäqua- ter Ersatz, weil dabei viel an Zwischenmenschlichem verloren geht. Zur Vereinbarkeit der Rückkehr in den Alltag mit dem Schutz vulnerabler Gruppen Häufig wurde gerade am Anfang der Krise von politischer Seite mit der So- lidarität der Jüngeren gegenüber den Älteren bzw. den Vulnerablen argu- mentiert. Rückblickend wird Kritik laut, dass der Schutz einer kleineren vulnerablen Gruppe die Existenz einer viel größeren Gruppe in der Gesell- schaft gefährdet hat. Menschen wurden arbeitslos und kleinere Unterneh- men, die schon vor der Krise vor der Herausforderung standen, irgendwie zu überleben, müssen nun mit Konkurs rechnen, was wiederum auch Ar- beitsplätze kostet. Die Existenzgefährdung lässt Menschen, denen es bisher wirtschaftlich gut ging, situativ vulnerabel werden. Aus dieser wirtschaftli- chen Perspektive schien es Anfang Mai 2020 höchste Zeit zu sein, wieder in eine Form der Normalität zurückzukehren, die nicht noch mehr ökono- mischen Schaden anrichtet. Kritische Stimmen gaben allerdings zu bedenken, dass ein Wiederan- steigen der Ansteckungskurve dadurch nicht auszuschließen sei und da- durch wiederum die vulnerablen Personen besonders gefährdet werden. Im alltagsmoralischen Verständnis wird Gesundheit häufig als das höchste Gut wahrgenommen. Aus dieser Sicht scheint es auf den ersten Blick un- angemessen, dieses hohe – wenn nicht sogar höchste – Gut gegen wirt- schaftliche Interessen abzuwägen. Gesundheit ist jedoch, folgt man Martha Nussbaums Konzeption des guten Lebens (Nussbaum 1999), nur ein As- pekt des guten Lebens neben vielen anderen, die der Staat zu fördern hat, wie etwa die Verbundenheit mit anderen Menschen. 3. Martina Schmidhuber 276 https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08 Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Titel
Die Corona-Pandemie
Untertitel
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Autoren
Wolfgang Kröll
Johann Platzer
Hans-Walter Ruckenbauer
Herausgeber
Walter Schaupp
Verlag
Nomos Verlagsgesellschaft
Ort
Baden-Baden
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-7489-1058-9
Abmessungen
15.3 x 22.7 cm
Seiten
448
Schlagwörter
Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
Kategorien
Coronavirus
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