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diese Krise auch als Chance begriffen werden, in der Strukturen verändert
werden können, die schon seit längerem als nicht zufriedenstellend und
ungerecht diagnostiziert wurden. Pflegende Angehörige müssen stärker
von staatlicher Seite unterstützt werden, sowohl finanziell als auch durch
personelle Unterstützung, wie etwa mobile Pflege. Wie bedeutsam profes-
sionelles Pflegepersonal in unserer Gesellschaft ist, dürfte nun allen Bür-
gerInnen bewusst geworden sein. Hier gilt es, den Beruf attraktiver für
junge Menschen zu gestalten, indem etwa die schon vor der Krise debat-
tierte 35-Stunden-Woche bei gleichbleibender Bezahlung eingeführt wird
und auf diese Weise langfristig dem Pflegenotstand entgegengewirkt wird.
Gesamtgesellschaftlich betrachtet lässt sich konstatieren, dass insgesamt
ein Umdenken erforderlich ist: Von einer stark ökonomisierten und ratio-
nalisierten Gesellschaft ausgehend, die viele Menschen aufgrund der
Schnelllebigkeit außer Atem kommen lässt – was sich in psychischen Er-
krankungen wie Burnout spiegelt (Esterbauer et al. 2019) –, können wir
diese Krise als Chance begreifen, mit dem Bewusstsein unserer Vulnerabi-
lität etwas entschleunigter unser Leben zu führen. Eine Gesellschaft, in der
alles etwas langsamer ablaufen darf, in der sich aber Menschen, die beson-
ders vulnerabel sind, wieder wohler fühlen, klingt aktuell noch wie eine
Utopie. Zum jetzigen Zeitpunkt gilt es deshalb, mit den bestehenden Ge-
gebenheiten einen möglichst guten Umgang zu finden, damit sich etwa
Menschen mit Demenz wohler fühlen. Aktivierung und Ablenkung sind
dabei besonders wesentlich. Ein Vorzeigebeispiel für Aktivierung, das
gleichzeitig Ablenkung ermöglicht und Traurigkeit verhindert, ist das
MAKS-Konzept, das zur Steigerung der Lebensqualität von Menschen mit
Demenz dient. Das Akronym MAKS steht für motorisch, alltagspraktisch,
kognitiv und spirituell. Das MAKS-Konzept ist ein Training, das zwei Mal
in der Woche durchgeführt werden soll, und beinhaltet z. B. Ballspiele
(motorisch), das Einbeziehen der Menschen mit Demenz in die Speisenzu-
bereitung – z. B. Kartoffeln schälen oder Teig rühren – (alltagspraktisch)
und leichte Rätsel mit Zahlen und Buchstaben (kognitiv). Ergänzt sollte
das Konzept mit Spiritualität werden, das können der sonntägliche Kirch-
gang sein und das Singen von Kirchenliedern, welche die Menschen meis-
tens sehr lange im Gedächtnis behalten. All diese Tätigkeiten sind auch
mit dem geforderten Abstand und Mund-Nasen-Schutz möglich und kön-
nen viel bewirken, wie die Ergebnisse einer Studie zeigen. So konnte nach-
gewiesen werden, dass bei diesem Training die üblicherweise nachlassen-
den Fähigkeiten bei einer Demenz für eine gewisse Zeit erhalten bleiben
können, nämlich bis zu zwölf Monate (Gräßel et al. 2011).
Das Einbauen diverser Aktivitäten in den Alltag ist für Menschen mit
Demenz nun besonders wichtig, sowohl im Heim als auch zu Hause. Zwar
Vulnerabilität in der Krise
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik